Drei Länder – ein Grenzfall

1974 erfolgte in den Landkreisen Hildesheim und Alfeld eine Gemeindereform. Zahlreiche bis dahin selbstständige Ortschaften wurden zu Einheits- oder Samtgemeinden zusammengelegt. 1977 kam dann die Bildung des Landkreises Hildesheim auf der Grundlage alter Ämter und zeitweiliger Kreise.

Die einheimische Bevölkerung erlebte noch in der Zeit um das Jahr 1800 eine andere politische Situation, die am Beispiel der Stadt Alfeld angedeutet werden soll. Bis 1802 gehörten die meisten der heutigen Ortsteile zum Hochstift Hildesheim, Dehnsen und Limmer zum Kurfürstentum Hannover und Brunkensen mit Lütgenholzen zum Herzogtum Braunschweig. Um 1810 litt die Bevölkerung massiv unter der französischen Despotie, begleitet von erheblichen menschlichen und materiellen Verlusten, die noch jahrzehntelang spürbar waren. Das Königreich Westfalen unter dem Napoleonbruder Jérome bestand von 1807 bis 1813.

Ab 1815 fanden sich dann die meisten Siedlungen im neu benannten Königreich Hannover wieder. Die Ländergrenzen zerstückelten die einheitliche Landschaft. Maße, Gewichte und Währungen unterschieden sich, so dass man seit den Befreiungskriegen von 1813 ihre Vereinheitlichung forderte um Handel, Politik und Zusammenleben zu erleichtern. 1841 schrieb Hoffmann von Fallersleben dementsprechend „Deutschland, Deutschland über alles“ und verarbeitete in den folgenden Strophenteilen die Situation der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Dass seine Worte später von Einigen mit ganz anderen Inhalten gefüllt wurden, sei nur erwähnt. Gemeint hat er jedenfalls die Überwindung kleinstaatlicher Grenzen und eine „schwarz-rot-goldene“ Demokratisierung. Wenn die Alfelder oder Gäste heute im westlichen Stadtgebiet wandern, gehen sie an zahlreichen Zeugen des historischen Wandels vorbei und können den Fortgang der regionalen Geschichte nachvollziehen. 

  

Gerhard Kraus

Limmer

Gerzen

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