Galerie "Rose und Radkreuz"

(Text und Fotos: Gerhard Kraus)

Bild 1-40  Bild 41-80  Bild 81-120  Bild 121-160  Bild 161-200
Bild 201-240  Bild 241-280  Bild 281-320  Bild 321-360  Bild 361-384
 
Vorwort:
Die vorliegende Bildergalerie bietet Ihnen einen Überblick über Themen aus der Kulturlandschaft bzw. aus der Arbeit des Heimatbundes im Landkreis Hildesheim e. V. und der Heimatpflege seit 1967. Diese Übersicht beansprucht keine Vollständigkeit in Bezug auf Themen und Orte. Die meisten Bilder entstanden seit 1967 bei Führungen bzw. bei deren Vorbereitung. Die einführenden Text sind nach Inhalten sortiert; die Fotos zu den Ortschaften sind alphabetisch angeordnet.
           
Texte (Übersicht)
Ostfälisches Leinebergland, Berge, Ithhöhlen, Quellen und Gewässer,
Jahresrechnung, Missionierung, Der Gang durch die Gotteshäuser, Wallfahrt nach Ottbergen, Grabstätten, Hügelgräberfeld Osterholz, Hügelgräberfeld Giesen, Hügelgräberfeld Nettlingen, Graf Ricdag, Irmenseul, Kurzfassungen von Sagen (Hödeken, Räuber Lippold, Unrecht, Unrecht; Der Meineberg), Besiedlung.
 
Ortstexte (Übersicht):
Alfeld, Bad Salzdetfurth, Barenburg, Der Entenfang bei Barnten, Beusterburg, Bilderlahe, Bockenem, Brüggen, Calenberg, Coppenbrügge, Delligsen, Duingen, Geologischer Lehrpfad Duinger Wald, Elze, Freden, Haus Freden, Gronau, Grünenplan, Hallermund, Kloster Haus Escherde, Hildesheim (mit Seitenkanal, Steuerwald, Marienburg), Königsweg, Lamspringe, Lauenstein, Der Marienberg bei Nordstemmen, Marienrode, Osterwald, Poppenburg, Rautenberg, Rennstieg, Rheden, Ruthe, Salzhemmendorf, Sarstedt, Söder, Steinbrück, Störy, Thüste, Upstedt, Werder, Hohe Schanze bei Winzenburg, Wispenstein, Wrisbergholzen, Wülfinghausen.
 
Fotos (Übersicht):
Adensen, Adenstedt, Adlum, Alfeld, Algermissen, Almstedt, Ambergau, Bad Salzdetfurth, Banteln, Betheln, Beusterburg, Bilderlahe, Bledeln, Bockenem, Brunkensen, Brüggen, Brünighausen, Bornum, Borsum, Bodenburg, Bodenstein, Bönnien, Breinum, Bültum, Burgstemmen, Calenberg, Capellenhagen, Coppengrave, Dehnsen, Delm bei Hotteln, Derneburg, Detfurth, Diekholzen, Duingen, Düsternthal, Eberholzen, Eimsen, Elze, Esbeck, Evensen, Erzhausen, Esbeck bei Freden, Föhrste, Freden, Haus Freden, Gandersheim, Gerzen, Giesen, Glashütte, Grafelde, Graste, Greene, Gronau, Grünenplan, Hackenstedt, Harbarnsen, Hasede, Haus Escherde, Heinum, Henneckenrode, Heyersum, Hildesheim, Hilprechtshausen, Hils, Himstedt, Hörsum, Hohenbüchen, Hoheneggelsen, Holzen, Hoyershausen, Imsen, Ith, Irmenseul, Jägerhaus bei Bockenem, Kaierde, Klump, Königsdahlum, Königsstuhl bei Elze, Kuventhal, Lamspringe, Langenholzen, Lauenstein, Limmer, Listringen, Lübbrechtsen, Lütgenholzen, Marienburg, Marienrode, Mechtshausen, Meimerhausen, Mehle, Möllensen, Mölmerhagen, Neuhof, Nienhagen bei Wohldenberg, Nienstedt, Nordstemmen, Nussberg bei Rheden/Heinum, Ortshausen, Osterholz, Osterwald, Oberge bei Brüggen und Wispenstein, Ottbergen, Petze, Poppenburg, Raabeturm, Rautenberg, Rheden, Rhüden, Rolfshagen, Röllinghausen, Rott, Sarstedt, Sack, Salzhemmendorf, Segeste, Sehlde, Sehlem, Sellenstedt, Selter, Sibbesse, Söder, Söhlde, Sottrum, Steinbrück, Störy, Upstedt, Volkersheim, Wallenstedt, Walshausen, Werder, Westerberg, Wetteborn, Wettensen, Wickensen, Winzenburg, Wispenstein, Wittenburg, Wohldenberg, Wohldenstein, Woltershausen, Wrisbergholzen, Wülfingen.
 
Gedankt sei allen, die die Innenaufnahmen ermöglichten.
      
 
 
Ostfälisches Leinebergland
 
    
Unsere Heimat teilte sich bereits zu Beginn der Schriftbenutzung in Siedlungseinheiten ein. Die Gaue waren oft durch natürliche Vorgaben wie Berge, Flüsse, Sumpfgebiete und größere Wälder voneinander getrennt und bildeten damit überörtliche Rechts-, Wirtschafts- und Sozialgemeinschaften. Der im heutigen Gebrauch wohl nach wie vor bekannteste Gau ist der Ambergau mit seinem Kernbereich um Bockenem. Er erstreckte sich früher im Einzugsgebiet der Nette, also noch bis zum Harzrand bei Seesen und im Norden bis Holle. Das Gaugericht soll auf dem „Amberge“ bei Bönnien abgehalten worden sein.
Der größte Gau hierzulande war mit dem Hildesheimer Gebiet der Gau Astfala (Ostfalen). Seine Malstätte befand sich auf dem Hassel bei Ingeln. Nördlich davon lagen die Gaue Gretinge und Flutwida.
 
Ein Untergau des Astfala war der kleine Gau Scotelingon mit dem Kernbereich im Goldenen Winkel bei Sorsum. Seine Malstatt war am Fuß des Krehla.
 
Der Flenithigau verband die Gegend um Detfurth - Sibbesse mit der um Gandersheim. Der Gerichtsplatz war zumindest zeitweise der Rohden bei Detfurth. Beim Flenithigau wird deutlich, dass in verschiedenen Beschreibungen auch Nachbarlandschaften mit eingeschlossen werden.
Dies bedeutet wohl, dass zu unterschiedlichen Zeiten Siedlungseinheiten zusammengeschlossen oder aber wieder voneinander getrennt worden sind. Relativ stabil scheint hier die Südgrenze gewesen zu sein, zumal sie mit der Begrenzung des Hochstiftes Hildesheim bei Gandersheim und der zwischen Ostfalen und Engern zusammenfiel. So ist mit Klein- und Groß-Freden ein Übergang vom Flenithigau zum Aringo zu nennen. Nordwestlich vom Flenithigau befand sich zwischen Betheln und Wallenstedt der kleine Valothungo.
 
Westlich, nämlich im Leinegraben zwischen Rheden über Alfeld bis Freden gab es den Aringo. Im Westen wird er durch den Hils, im Osten durch den Rennstieg begrenzt gewesen sein. An den Gau erinnern nach wie vor die Bezeichnung „Eringaburg“ für die Ammenser Hünenburg nahe der Wispequelle im Hils bzw. der „Auringebach“, dessen Quelle südlich von Eberholzen entspringt. Der gelegentlich erwähnte Gau Wikanafelde wird in die Gegend um Eschershausen gelegt. Schließlich befand sich der große „Guddingo“ zwischen Hils, Ith und Osterwald.
 
Die selten genau zu erfassenden Gaue wurden durch die „Gebietskörperschaften“ der Grafschaften, Ämter und schließlich der Kreise abgelöst und stellen heute nur noch historische Erinnerungen an einander nahe liegende Bereiche dar.
In den „Nachfolgeeinrichtungen“ der Gaue entstanden neue kirchliche Strukturen, oft an alten Kultstätten, Gerichts-, Wehr- und Befestigungsbereiche.
Sie sind heute oft noch in unterschiedlichen Erhaltungszuständen fassbar.
 
Als Beispiel sei Rheden genannt. Hier bestand, wohl schon im frühen 9.Jahrhundert, eine Wallburg. Sie erstreckte sich ungefähr von der heutigen Kirchhofsmauer hangaufwärts bis zum modernen Schlossbau. In dieser Anlage errichtete man eine erste Kirche. Der mutmaßliche Holzbau erhielt im späten 12.Jahrhundert mit dem romanischen Turm und dem jüngeren Kirchenschiff einen heute noch erhaltenen, aber immer wieder umgestalteten Nachfolger. Wahrscheinlich haben wir in der Ursprungsanlage eine Befestigung des bei Rheden endenden, sich nach Süden erstreckenden Aringo zu sehen. Sein innerer Aufbau wurde durch die Karolinger und Ottonen in damals neue Verwaltungsorganisationen umgeformt.
So bestand im Mittelalter ein enger Zusammenhang zum Königshof Brüggen, zu dem auch Banteln, Lehde und Hemmendorf gehörten.
 
Das Rhedener Gotteshaus war als Archidiakonatskirche Mutterkirche eines die Nachbargemeinden umfassenden Sprengels. Ihr Patronat hatte das Hildesheimer Domkapitel inne und nicht die seit 1251 fassbare Uradelsfamilie von Rheden.
Die Familie gehörte zu den Brüggener Burgmannen und musste ihre dortigen Besitzungen 1489 zugunsten derer von Steinberg aufgeben. Die Entschädigung erfolgte durch die Fürstäbtissin von Gandersheim und enthielt auch das Amt des Gandersheimer Erbdrosten bzw. Truchsessen. Große Teile der in verschiedenen Orten verstreuten von Rhedenschen Grundherrschaft waren Lehen des Hildesheimer Bischofs.
 
In Rheden selbst hatten sie als Lehen der Grafen von Schaumburg drei Sattelhöfe, besonders aber das hangaufwärts der Kirche gelegene „Haus Rheden“, also den jetzigen Schlossbereich. Damit stand letzteres an der frühgeschichtlichen Wallburg und hatte einen Schutz durch Wall und Graben. Inwieweit das Schaumburger Eigentum auf die frühen Grafen von Winzenburg, wie Liudolfinger/Ottonen oder andere Verhältnisse zurückgeht, bedarf noch der Klärung.
 
 
 
Berge
Zahlreiche Berge oder Anhöhen unserer Heimat weisen nach wie vor auf vorchristliche kultische Stätten hin. Hierher mögen gehören: Bloße Zelle (mit Walpurgisnachtüberlieferung), Himmelberg, Paradiesgarten, Teufelskirche, Toter Mann usw. Bei Brüggen und Wispenstein - Imsen gibt es ferner je einen O-Berg. Der Wispensteiner O-Berg trägt darüberhinaus den Namen Hackelberg. Es handelt sich dabei um einen der vielen Wodansnamen, womit gleichzeitig auch die Bezeichnung „O-Berg“ als „Odinsberg“ („Wodansberg“) erläutert ist. In Bezug auf die natürlichen Vorgänge von Hell und Dunkel bei Tag und Nacht bzw. Sommer und Winter kennt man noch die Vorstellung, dass sich der Sonnengott in die Unterwelt, also in das Innere der Berge begibt (vgl. Höhlenkulte) und beim Wiederbeginn der warmen Zeit (Tag, Sommer) zuerst auf den Höhen zu erkennen ist.
Wodan wird gelegentlich mit dem römischen Merkur gleichgesetzt. Er war mit einem breitkrempigen Hut, einem weiten, fleckigen Mantel (eine Erinnerung an ein Tierfell?) ausgestattet, wobei der Hut des „Mannes im Mond“ als Wolkenschiff dienen konnte. Die Sonnennatur Odin - Wodans zerlegte sich in zwei Zwillingspaare, die als seine Söhne galten: Sommer- und Wintersonne und -wind = Odur und Uller, Tag und Nacht = Baldur und Hödur. Die letzteren sah man auch im Morgen- und Abendstern.
Zweiköpfige Figuren zeigen die Doppelnatur des Lebens (Anfang - Ende, Winter - Sommer, die Sonnenwenden, Sonne - Mond usw.) an.
 
Das Doppelgesicht versinnbildlicht die ursprüngliche Vollkommenheit, die Wiedervereinigung der männlich - weiblichen Kräfte, die Zusammenfassung der Gegensätze zu dem Einen: der Allvater, die Allmutter. Erinnert sei an die germanischen Zwillingsgötter. Sie schützen vor den Elementen.
 
Die Franken übertrugen die Schutzkraft des Wodanschen Umhanges auf den blauen, mit einer Kapuze versehenen Mantel des Heiligen Martin. Damit galt Martin als einer der Nachfolger Wodans. Wodan erhielt den Mimirschen Götter- und Weisheitstrank für die Opferung eines Auges. Er wurde fortan zum einäugigen Gott. Das Auge weist auf die Allwissenheit, die alles sehende Gottheit und die intuitive Vorausschau. Dieses Sonnengottsymbol und Sonnentürzeichen wird oft verstärkt durch ein Dreieck.
In Volkssagen tritt Wodan - Odin manchmal als König der Unterirdischen auf, seine dann zwergenhafte Erscheinung erhielt mitunter den Namen Hütchen, was an unseren heimischen Hödeken bzw. Hoike (= Mantelträger) erinnert.
Die nordische Zipfelmütze geht über in die Tarn- und Nebelkappe Odin - Wodans und die Kopfbedeckung der Zwerge wie seiner christlichen Nachfolger. Das Wort „tarn“ ist vom angelsächsischen „tyrnan“ abgeleitet und bedeutet „sich verwandeln“. Eine Tarnkappe hat also die Kraft, ihren Träger in jede beliebige Gestalt zu verwandeln.
 
Weitere Namen für Odin - Wodan sind z.B. Wilder Jäger und eben Hackelberg. Manche verbinden dies sogar mit dem Himmelsjäger Orion. Hackelberg trägt einen weiten Mantel und erinnert so an das Naturbild der dunklen Nebel oder Wolken, hinter denen sich die Sonne oft verbirgt. Daher wird er auch Mantelgott genannt. Der breite Hut Odins, den er weit in das Gesicht hineingedrückt trägt, um seine Einäugigkeit zu verbergen, scheint ein vergleichbares Natursinnbild zu sein. Manche verbinden dies sogar mit den Sagen von St. Hubertus und dem Sonnenhirsch. Der Hirsch ist ein Sinnbild für die Wiedererneuerung und zielt u.a. auf die Göttin der Morgen- und Abendröte, des Wiedererwachens und Vergehens. Dementsprechend steht der Urwald, in dem sich das Aufeinandertreffen von Jäger und Hirsch abspielt, für die Unterwelt, die Dunkelheit und Ruhe.
 
Das Ren, der Elch und der Hirsch symbolisieren den ein Gehörn tragenden Himmelsgott, der zugleich Blitz-, Donner-, Regen- und Sonnengott war und als solcher von Europa bis Indien vorkommen soll. Hierzulande wird das Sternbild des Skorpions auch mit dem Bild eines Hirschen gleichgesetzt - also ein „Himmelsbezug“.
Ferner nennt man den großen Bären bzw. großen Wagen am nächtlichen Himmel auch Hackelbergs (Jagd-)Wagen. In den jahreszeitlichen Wandel von warmem und kaltem Halbjahr gehört die Ablösung des Wintersonnengottes durch den Sommersonnengott und umgekehrt und eben ihre Personifizierung durch Götter, z.B. bei der Doppelnatur Odins, Tiere und Himmelskörpersymbole.
 
Nach der Edda verfolgt nämlich der Wolf Skoll die Sonne und der Wolf Hati den Mond. Die Tiere wollen die Himmelskörper verschlingen, was bei der Götterdämmerung auch gelingt. Im Hintergrund steht der natürliche Wechsel von Tag und Nacht ebenso wie die Sonnen- und Mondverfinsterungen und dahinter das Wirken der Götter. Gemeint sind eigentlich die inneren religiösen bzw. mystischen Erlebnisse der Menschen. So steht der Wasservogel - in Rheden mag es eine Ralle sein - für die gemeinsamen schöpferischen Kräfte des Wassers und der Luft, also des Geistes. Erde und Himmel verschmelzen in diesem Tiersymbol, das am Kirchturm entsprechend an der Sonnen- bzw. Südseite dargestellt ist.
Raben sind beispielsweise bei Schamanen „Vogelhelfer“ für ihre Reisen in die obere Welt.
 
Hier und da sollen St. Georg und St. Michael an die Stelle Thors getreten sein. Die Germanen stellten sich Thor/Donar (Irmin?) so vor, dass er einen Ziegenfellrock trug. Über die Schultern breitete sich ein feuerroter Mantel aus und eine goldbesetzte rote Helmmütze bedeckte das Haupt. Es ist der mit Blitz, Donner und Sonnenstrahlen ausgerüstete Wagengott des alten Mittel- und Nordeuropa, an den Radsymbole erinnern.
 
Mit der Einführung des Christentums werden Donar und Wodan abgewertet und gemeinsam zum Teufel. Damit entstand ein Wesen mit schwarzroter Grundfarbe und einer Mischung der Attribute Lokis, Wodans und Donars.
 
Loki ist eine zwielichtige Gestalt, verbindet Schöpferkraft mit Hinterlist. So brachte er den blinden Hödur dazu, mit dem tödlichen Mistelzweig Baldur zu töten. In Rheden wird am Westwerk eine liegende Figur dargestellt, über deren Fuß eine Teufelsfratze zu sehen ist. Es mag sich dabei um den sterbenden Baldur und den Feuergott Loki handeln.
 
Der Teufel hat in deutschen Märchen und bildlichen Darstellungen goldene Haare, denn er gilt als das Sinnbild der Abendsonne. Er verbindet sich auch mit dem „Höllenfeuer“. So berichten viele Sagen und Märchen vom Unsterblichmachen des Kindes durch Feuer. Dabei taucht die Mutter das Kind in siedendes Wasser, hält es in die Flammen oder wirft es in den Backofen. Sie entweicht dann für immer, wenn der Vater dazwischen tritt.
 
 
Die Ithhöhlen
Eine der größeren Ausflüge der Alfelder Familien, Schulen und sonstigen Gruppen führte noch in den 1950er Jahren zum Ith. Dabei wurde meist die Rote Steinhöhle aufgesucht und ihre Bedeutung als geologisch-kulturelle Besonderheit erklärt. Man wusste aus der Literatur ebenso wie aus dem von Generation zu Generation weitergegebenen Wissen der einheimischen Bevölkerung um immer wieder gemachte Höhlenfunde und die daran haftenden Ritualreste.
 
Die zahlreichen Höhlen im Ith werden heute im allgemeinen aus fachlich - wissenschaftlichen Gründen und „touristischer Neugier“ besucht. Einige haben aber früher neben einer möglichen Schutznutzung kultischen Zwecken gedient. Dementsprechend konnte man Menschen- und Tierreste und Geräte aus verschiedenartigen Materialien und Zeiten finden. Herausragende Bedeutung haben die Funde und Befunde bei der „Rothe-Stein-Höhle“ (Bronze- und frühe Eisenzeit), Soldatenhöhle (Prähistorie allgemein), Töpferhöhle (frühe Eisenzeit), Nasensteinhöhle (späte Jungstein-, frühe Bronzezeit) und die Kinderhöhle (einige prähistorische Funde). Den Höhlen ist die schwere, oft genug gefährliche Begehbarkeit der inneren Raumteile gemeinsam. Dies bewahrt die Nutzer und ihre Geheimnisse eher vor unerwünschter Öffentlichkeit. Körperliche und geistig-seelische Anstrengungen und Bemühungen bleiben so weitgehend einer kleinen Gruppe vorbehalten. Hierzu passend ist ja noch bekannt, dass viele Duinger in der Walpurgisnacht zum nahegelegenen Ith zogen, wo eine Strohpuppe als Hexe verbrannt wurde. Hier klingen kultische Traditionen im Volksbrauchtum auf, die sich mit den archäologischen Überbleibseln teilweise decken mögen.
 
 
Quellen, Gewässer
Quellen verbinden die „Unterwelt“ mit der Welt der Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie sind demzufolge einer Nutzung als Trinkwasserversorgung ebenso zugeführt worden wie auch als Stätten religiös-kultischer Verehrung der „Mutter Erde“. Wasser entspringt ihr (vgl. Ortsname „Lam-springe“) bzw. der Quelltopf „gebiert“ mit dem Element Wasser neues Leben (vgl. „Wette-born“). Das Verständnis des Anfangs kehrt in der Bezeichnung „Adam- und Eva-Quelle“ beim Rennstieg wieder. Ähnliches gilt ferner für die Sagenüberlieferungen des Dillsgrabens bei Bockenem, des Gottesbrunnens in Langenholzen und vieler anderer Quellbereiche. Am deutlichsten erscheint dies aber bei den Apenteichquellen zu sein. Sie liegen am Hang der Tiebenburg der Ruine Winzenburg gegenüber.
 
Anfang der 1950er Jahre wurden aus ihnen bronzezeitliche Armspiralfragmente, ein jungsteinzeitliches Feuersteinbeil, eine Streitaxt aus Diabas mit eventuellen Sonnenscheibendarstellungen, eine früheisenzeitliche Bronzenadel und eine italische Bronzefibel mit aufgesteckter Bernsteinperle geborgen. Sie alle scheinen, zusammen mit den örtlichen Brauchtums- und historischen Traditionen auf einen uralten Opfer- und Versammlungsplatz hinzuweisen. Die Apenteiche legte man im Jahre 1221 in unmittelbarer Nähe zu den Quellen an.
 
Heilige, wundertätige Quellen und Brunnen werden oft auf Baldur zurückgeführt. Sie wurden von seinem Pferd aus dem Boden gestampft. Neben dem Pferd mag auch der goldene oder weiße Hirsch Baldur heilig gewesen sein, dem der Gott des nächtlichen Dunkels nachstellt.
 
 
Jahresrechnung
Die Jahresrechnung unserer Vorfahren zählte nach Wintern. Eine Person war beispielsweise „neun Winter“ alt. Eine solche Jahresbezeichnung ist hierzulande schlichtweg natürlich und einprägsam. Dem entsprach, dass sich an der Spitze der Götter eine nächtliche Gottheit, gleichermaßen ein Wintergott, befand. Sogar kleine Zeiträume wurden nach Nächten, nicht nach Tagen berechnet. Selbst Geburtstage, Monats- und Jahresanfänge wurden mit der Nacht, die dem Tag vorausgeht, gefeiert. Die Nacht stand vor dem Tag, Mondbeginn und Vollmond bezeichneten die Versammlungstage. Ladungen zu Gerichtstagen erfolgten u. a. „nach 14 Nächten“. Entsprechend lauten die Monatsnamen: Januar - Hartung, Februar - Hornung, März - Lenzing, April - Ostermond, Mai - Wonnemond, Juni - Brachmond, Juli - Heumond, August - Ernting, September - Scheiding, Oktober - Gilbhart, November - Nebelung, Dezember - Julmond. Die Tagesnamen verbinden sich mit folgenden Gestirnen bzw. Göttern: Sonntag - Sonne, Montag - Mond, Dienstag - Tyr, Mittwoch - Wodan/Odin, Donnerstag - Donar/Thor, Freitag - Freya, Sonnabend - Loki (angelsächsisch).
 
Im Alfelder Leinetal sagen wir nach wie vor Sonnabend, nicht Samstag, denn der Sonntag beginnt um 18 Uhr zur Zeit der Wochenschlussandacht des „Sonn-Abends“. Die Helligkeit überwindet die Nacht, der Lichtgott Tiu, Ziu, Tyr (vgl. Schmied bzw. Bürgermeister in der Lippoldssage) ist stärker als der Mann im Mond, also der Vertreter der Nacht (Wodan) und der Höhle (s. a. Lippold in seiner Höhle und die Hufeisen seines Pferdes als Mondsymbole). Erinnert sei ferner an die Tatsache, dass die Kinder bis zu ihrer Geburt im dunklen Mutterleib wachsen und danach in die Helligkeit des eigenen Lebens treten.
 
Zur Sommersonnenwende um den 21. Juni feiern Sonne und Erde „Hochzeit“, wie es auch die Lippoldsage andeutet. Die Tage werden wieder kürzer. Damit steigt die Macht der Nacht, also des Mannes im Mond bzw. des Herrschers der Dunkelheit und der Höhle bis zur Wintersonnenwende. Bis zum Frühjahrsanfang vergehen rund 274 Tage, also die Inkubationszeit eines Menschenkindes. Durch ein Opfer, dem symbolischen Tod, beginnt neues Leben. Nach der Frühlings-, Tag- und Nachtgleiche und dem folgenden Vollmond feiert man an dem dann kommenden Sonntag Ostern. Dies bedeutet die Erlösung der Mutter Erde, in der Lippoldsage ist es die Befreiung der Bürgermeisterstochter durch den Tod des Räubers.
 
Der vorgeburtliche unsichtbare Anfang jedes Geschöpfes beginnt in den „Fischen“. Zwischen dem 21. Februar und dem 21. März erfolgt in der Natur die Wiederkehr der Lebenskräfte. Die im Vorjahr anlegten Knospen und Blüten beginnen zu sprießen, viele Tiere bekommen Nachwuchs und der Mensch feiert das neue Leben.
 
Der Hase beispielsweise ist ein Mondtier und zeigt die Wiedergeburt, Verjüngung, Fruchtbarkeit, Seele und Intuition an. Ein Hasenkopf gilt als Mittel gegen Hexerei bzw. im Gegenteil dazu als Diener von Hexen. So wird die germanische Mondgöttin Holda, Harke oder Harfa von einem Zug Hasen als Fackelträger begleitet. Ferner gab die nordische Frühlingsgöttin Ostara dem Osterhasen den Namen. Drei Hasen deuten auf drei Mondphasen hin.
 
Der wilde Jäger Wodan wurde von St. Michael abgelöst, dessen Tag in die Zeit nach der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche fällt. Das Motiv des Reiters führt der Martinstag über den Nikolaustag bis zur Wintersonnenwende bzw. der Feier der neuen zunehmenden Sonne zu Weihnachten weiter. So legte in Alfeld mancher Hausvater noch im 20.Jahrhundert zu Weihnachten einen Stein vor die Tür, damit der Weihnachtsmann vor dem Haus sein Gefährt zur Geschenkabgabe abhalten musste.
Die Zeitspanne zwischen dem Rupertstag (24. September) und dem Nikolaustag (6. Dezember) wird als Mondbeobachtungsspanne benutzt. Das erste Datum zielt auf den Neumond und das zweite auf den Vollmond. Der Name Rupert kommt im übrigen bei einem iro-schottischen Missionar und späteren Bischof vor, der um 718 in Salzburg starb.
 
Thor/Donar wird oft mit Irmin gleichgesetzt. Er war der Gott der bäuerlichen Bevölkerung, die nach dem Tode zu Thor einging, der Kriegerstand dagegen eher zu Odin - Wodan. Odin scheint manche Attribute und Wesenszüge von Thor entlehnt zu haben, denn sein Beiname Hruodperaht, später Ruprecht, der Rotglänzende, passt ebenfalls zu Thor/Donar. So wird gemeinhin der Nikolaus als christlicher Nachfolger des Thor/Donar angesehen, dem zu Ehren nach wie vor in Alfeld der Jahrmarkt stattfindet.
Am Julfest, also zu Weihnachten, wurde ein großer, feierlich eingeholter Holzblock in Brand gesetzt und angekohlte Äste als Lebenssymbole aufgehoben. Mit dieser Zeremonie verband man den Beginn der Jahresrechnung, also den Kalender (vgl. Kaland).
Von der Sommersonnenwende bis zur Wintersonnenwende werden die Tage immer kürzer. Danach gilt das Umgekehrte. Der Sonnengott schrumpft damit bis zur „Däumlings-/Dummlingsgröße“ und wird dann gefressen. Überlieferungen, bei denen ein Menschenfresser sieben oder zwölf Personen verschlingt, deuten auf die Woche bzw. auf die Monate.
Gefeiert wird der Jahresbeginn unmittelbar nach der Wintersonnenwende, wenn der Weihnachtsmann als personifizierter Beginn des neuen Lichtes erscheint.
 
Im 6. und 7. Jahrhundert heißt es von Neujahrsfeiern: „An den Tagen der Kalenden des Januar kleiden sich die Heiden mit Umkehr der Ordnung der Dinge in unanständige Missgestalten, ... indem sie den Hirschspielen, (sich) in das Wesen von Tieren umwandeln wollen. Andere kleiden sich in die Felle ihres Viehes, andere setzen sich Tierhäupter auf“. Hierin sind Reste eines alten Jagd- und Überlebenskultes ebenso erhalten wie die genaue Kenntnis der Mond- und Sonnenkonstellationen mit ihren elementaren Folgewirkungen auf Mensch und Tier.
 
Das Mondjahr zu zwölf Vollmonden ist knapp elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Nach drei Jahren ergibt sich demzufolge eine Differenz von rund einem Monat, also ein zusätzlicher 13. „Mondmonat“. Da die Göttin Freya - und ihre Nachfolgerin Maria - mit dem Mond verbunden ist, gab es die zunächst glückbringende Kombination des „Freitag, der 13.“.
Die jungfräuliche Mutter steht für die erste Materie und die verwandelnde Kraft. Mond und Schlange sind ihre Symbole. Die jungfräuliche Geburt, also die Folge einer Vereinigung von Göttlichem und Irdischem bringt einen Gott oder ein höheres Wesen hervor.
 
Die Frau bzw. Große Mutter wird durch den Mond, die Erde und das Wasser angedeutet. Sie symbolisiert die instinktiven Kräfte und alles, was lunar empfangend, schützend und nährend ist. Geistig ist das Herkommen, die Erinnerung und die Vergangenheit angesprochen. Die Nacht ist die vorgeburtliche Finsternis, die dem selbstständigen Leben und der Intuition vorausgeht.
Der Halbmond oder die Mondsichel sind das Sinnbild der Großen Mutter, das passive, weibliche Prinzip. Kuh- oder Stierhörner, das Schiff und der Kelch verkörpern diese Himmels- und Erdkraft. Ein (Weihwasser-)Kessel zeigt die Wiedergeburt aus dem Schoß der Großen Mutter an.
 
Figuren der Erdmutter mit einem Horn in der Hand stammen bereits aus der Altsteinzeit und sind rund 25.000 Jahre alt. Man nimmt an, dass die Mutter Erde zunächst als jungfräulich, also alles Wachsende allein aus sich selbst gebärend vorgestellt wurde und das Horn für die Mondsichel steht.
 
Die Hel bzw. Frau Holle, die Weiße Frau, tritt vorzugsweise als Kindermutter und Führerin der gestorbenen Kinder auf. Sie hält ein Kind im Arm und ist die Gattin des Mondmannes, sodass der Mond im Volksglauben zum Elysium (Insel der Seligen) der kleinen Kinder wurde.
 
In der Offenbarung des Johannes 12,1 gibt es die Darstellung: „Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerzen in ihren Geburtswehen“.
Der Mond ist im germanischen Bereich allerdings ein männliches Prinzip, gilt gemeinhin aber als weiblich. Durch die Mondphasen ist eine Zeitmessung möglich. Die Mondsichel wird oft durch Tierhörner angedeutet. Alle Nachttiere, z. B. Katze und Fuchs, wie zeitweise auftauchende und wieder verschwindene, Winterschlaf haltende Tiere (Bär, Igel usw.) sind lunar.
Die Katze hat bekanntlich veränderliche Augen. Diese verbindet man mit den Mondphasen und der Herrlichkeit der Nacht, besonders im Winter. In der kalten Jahreszeit ruht die „Mutter Erde“, also gleichsam in Jungfräulichkeit, während die im vorausgegangenen Herbst angelegten Blüten und Früchte erst im folgenden wärmeren Sommerhalbjahr in Erscheinung treten. Die Katze bzw. der Luchs sind demzufolge Symbole der Göttin Freya.
 
Dreibeinige Hasen, Kaninchen oder Kröten weisen auf die Mondphasen bzw. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hin. In heimischen Gotteshäusern wird der Mann im Mond, also der Wodan bzw. in der Höhle lebende „Räuber Lippold“ als Repräsentant der vorchristlichen Religion dargestellt. Er dient der Maria, der Mutter Gottes und damit Vertreterin der neuen christlichen Religion als Grundlage und Standort.
 
 
Missionierung
Unter den in Mitteleuropa tätigen Missionaren kennt man u.a. die Geschwister Willibald, Wunebald und ihre Schwester, die Heilige Walburga. Die drei werden auf die Königin Wuna von Kent und ihren legendären Gemahl, den Heiligen Richard, Herzog von Schwaben, zurückgeführt. Zu dieser englischen Missionarssippe gehören auch Äbtissin Lioba, ihr Onkel Bischof Winfrid (Bonifatius) sowie dessen Onkel Bischof Willibrord von Utrecht. Sie alle zählt man zu den Nachkommen der Heiligen Bertha von Franken, die 588 Ethelbert von Kent heiratete und das Christentum nach England brachte. In diese Zeit fällt die Anweisung Papst Gregors des Großen von 596 an die mit der Missionierung der Angelsachsen in Britannien beauftragten Benediktiner:
„Man soll die Götzenkirchen bei jedem Volke nicht zerstören, sondern nur die Götzenbilder darin vernichten“. Man müsse die Kirchen „vom Götzendienst zur wahren Gottesverehrung umschaffen, damit das Volk, wenn es seine Kirche nicht zerstört sieht, von Herzen den Irrglauben ablege, den wahren Gott erkenne und so lieber sich an den Stätten versammele, an die es gewöhnt war“.
 
Es war also an eine allmähliche Ablösung der alten Götter durch die neuen Vorstellungen gedacht, was zumindest hierzulande nicht immer eingehalten wurde. Denn im Bruderzwist der späten Karolinger wurde den Sachsen von Lothar, einem der Söhne Ludwigs d. Frommen versprochen, ihnen „ihr Recht, wie sie es zur Zeit, als sie noch Götzendiener waren, hatten wieder zu geben“.
Neben die langsame Religionsersetzung trat in den folgenden Jahrhunderten auch die mit Zwang durchgeführte Form.
Von der Religionsumformung seien zwei Beispiele genannt: So befinden sich Michaelisheiligtümer oft an exponierten Stellen, auf Bergeshöhen, über dem Meer oder in einer Höhle. Michael bezeichnet sich in seinen Erscheinungen nämlich als „Herr der Höhle“. Die Höhlen waren bekanntlich sehr oft alte Kultorte und damit die frühesten Religionsstätten der Menschen.
„Bei Hildesheim lag ein schrecklicher Sumpf. Dort ließen sich bei Tag und Nacht gräuliche, gespensterhafte Erscheinungen hören und sehen, die das Volk erschreckten. Bischof Godehard drang nun mit dem Kreuz und den Reliquien der Heiligen in den Sumpf ein, gründete eine Kapelle und vertrieb so die Wassergeister“.
 
 
Der Gang durch die Gotteshäuser
Die meisten Gotteshäuser stehen in ungefährer West-Ost-Ausrichtung. Nur wenige von ihnen weichen von dieser Tendenz ab, so in Föhrste. Ferner gilt die Regel, dass die Türme mit ihren Eingängen im Westen stehen und die Kirchenschiffe sich östlich anschließen. Als Ausnahmen seien genannt: Haus Escherde, Almstedt und Langenholzen. Bei den Gotteshäusern ergibt sich oft eine symbolhafte „Vor-gehens-weise“ von West nach Ost. Dies ist der Weg zum Altar, wo die Sonne am Morgen aufgeht und je nach Heiligenname und Heiligentag ihre tägliche Auferstehung als Zeichen Christi erlebt. Die Sonnenstrahlen fielen bei der Kirchengründung im Idealfall durch ein Fenster auf den Altar, was heutzutage durch die Folgen der sich laufend verändernden Erd-Sonnenkonstellation natürlich meist nicht mehr der Fall ist. Besonders die ältesten Gotteshäuser weisen eine hintergründige Belehrung der Gläubigen auf. Im Westen geht die Sonne unter, die alten Götter verschwinden also mit ihr, während die neue, christliche Welt im Osten aufgeht.
 
Die Ablösung des alten religiösen Weltbildes durch das neue christliche zeigte sich fortan in der Architektur. Das Christentum galt noch weit in das Mittelalter hinein als das Neue, während die alten Glaubensvorstellungen - wie in Resten auch heute noch - weiterhin bekannt waren. Bei der Behandlung der vorchristlichen Kultstätten und der Missionierung gab es sowohl von Papst Gregor dem Großen im Jahre 596 und in Bestimmungen aus der Zeit Karls des Großen Hinweise, das Vorgefundene nicht zu zerstören, sondern eher umzudeuten. So sind häufig Masken, Köpfe, Tier- und Pflanzensymbole der alten Religion in den neuen Kirchen bzw. an ihren Fassaden aufzufinden. Dies entspricht der Edda, in der für die Zeit nach dem Untergang der Götter, Menschen und des gesamten Kosmos eine neue Welt auftaucht. Hier ergänzen sich die alten und die neuen Überzeugungen und bilden keinerlei unüberbrückbare inhaltliche Gegensätze. Die in der „Götterdämmerung“ der Edda erwähnten Gestalten finden sich demzufolge an den Kirchenfassaden, so z. B. am Rhedener Kirchturm, oder an den Kapitellen in den Kirchenschiffen deutlich genug wieder. Auch die von der bodenständigen Bevölkerung bis heute tradierten Brauchtümer, Sitten und Sagen vermögen viele Ergänzungen zu liefern.
 
 
Wallfahrt nach Ottbergen
Zu den Wallfahrtsorten im Kreis Hildesheim gehört Ottbergen. Südlich des Ortes schiebt sich ein Ausläufer des Vorholzes in die Tiefebene vor. Auf diesem markanten Landschaftspunkt steht eine Kapelle. Im September machen sich seit einigen Jahren Pilger aus Everode auf, um in Ottbergen zu beten.
 
Sie treffen sich frühmorgens an der St. Bernwardskapelle in Everode. Der Pilgerweg von 41 km Länge führt durch den Sackwald über den Rennstieg nach Irmenseul, Harbarnsen, Kassemühle, Sehlem, Östrum, Wehrstedt, Bad Salzdetfurth, Klein Düngen in das Innerstetal zur Heinder Mühle. Von dort geht es weiter nach Listringen, durch das Heiligenholz nach Wendhausen und Ottbergen. Am frühen Nachmittag beginnt die Prozession von Ottbergen zum Kreuzberg. Die Geschichte der Wallfahrt zur Ottberger Kapelle geht mindestens in das letzte Drittel des 17.Jahrhunderts zurück, mag aber älter sein. Die Everoder Christen haben sich diesem Brauch ihrer Glaubensbrüder und -schwestern angeschlossen und eine eigene Fußwallfahrt entwickelt.
 
 
Grabstätten
Mit den Gräbern ehrt die Bevölkerung ihre Toten, erhält durch sie die Verbindung zu den Vorfahren aufrecht und bildet so ein Traditionsbewusstsein. Besonders deutlich wird dies in den Namen „Toter Mann“ und „Kaiser“.
Auf dem Heber östlich von Lamspringe befinden sich mehrere Hügelgräber, von denen eines besonders ausgeprägt ist und eben auf der Bergkuppe „Toter Mann“ liegt. Dagegen hat sich in einem Wäldchen direkt nördlich von Irmenseul lediglich ein Hügelgrabrest erhalten, der den auffallenden Namen „Kaiser“ trägt. Denkt man sich den neuen Bewuchs fort, ergibt sich ein weiter Blick von der Höhe in den Flenithigau.
 
Ähnliches gilt für den „Gooselee“ am Hügelgräberfeld Osterholz oberhalb der Gronauer Lössmulde. Der mündlichen Überlieferung nach heißt ein hoher, am westlichen Waldrand liegender Hügel „Gooselee“. Dies weckt Gedanken an religiöse Kulte. Ein Lee (vgl. Grab-le-ge) ist ein Hinweis auf Totenberg bzw. Grabhügel, während der erste Wortteil gelegentlich mit der Gans („Goose“) in Verbindung gebracht wird. Ihre Bedeutung in der Verehrung ist in vielen Sagen, Märchen und anderen Überlieferungen erläutert und gilt entsprechend für weiße Vögel allgemein (Schwan, Taube). Die volkskundlichen Bezüge können hier Verständnishilfen geben, wie z.B. die Martinsgans.
 
Im Religiösen ist eine Brücke die Verbindung zwischen Himmel und Erde, also die Vereinigung des Menschen mit der Gottheit. Das Beschreiten der Brücke oder des Regenbogens geschieht bei Initiationsriten ebenso wie beim Tod. Beim Überschreiten der Brücke beweist der Mensch, dass er ein Geist ist. Neben den Regenbogen treten oft auch der Himmelsdrachen und die Himmelsschlange in derselben Funktion auf.
 
In der Edda fragt „Hoch“: „Hast du niemals gehört, dass die Götter eine Brücke bauten von der Erde zum Himmel, die Bifröst heisst? Du wirst sie gesehen haben; es kann sein, dass ihr sie „Regenbogen“ nennt. Sie ist dreifarbig...“ Der Regenbogen als Himmelsbrücke ist bei Tag zu sehen, die Milchstraße bei Nacht.
 
Der beide Sphären (Himmel und Erde) trennende Fluss kann auch mit einem Boot überquert werden. Der Fährmann erhält dann einen Lohn, der beim Gronau-Empner Schädel wohl durch die in den Mund gelegte Metallplatte angedeutet wird. Erinnert sei an Hermes, der einen Toten in den Hades geleitet. Dem Toten wird eine Münze unter die Zunge gelegt. Sie ist für den Totenfährmann bestimmt, der den Verstorbenen über den Fluss in das Totenreich bringt. Dasselbe erzählt man von Odin - Wodan, als er an den Totenfluss Gjöll und die Brücke kam, um ins Totenreich einzudringen. In einer Siegmundsage ist der Totengott Wodan der Ferge und damit der Führer des Totenschiffes. In einer anderen Überlieferung steht dafür Donar.
 
Tote werden manchmal durch einen Schädel, bei Fortlassung der anderen Körperteile, angedeutet. Der Kopf bedeutet Lebenskraft, Macht, Weisheit und Geist und steht damit für Zukunft bzw. Risiko. Kopfjäger übernehmen durch die Aufnahme des Schädelinhaltes die Fähigkeiten des Opfers. Im schamanistischen Glauben werden Menschen mit besonderen Fähigkeiten und übernatürlichen Kräften als „hirngebohrt“ bezeichnet, was eine Erklärungshilfe
für angedeutete und praktizierte Schädelöffnungen sein kann.
 
 
Hügelgräberfeld Osterholz
Auf der Anhöhe zwischen Betheln und Heyersum erstreckt sich das aus 91 Grabhügeln bestehende Gräberfeld Osterholz. Man vermutet eine ursprüngliche Anzahl von 200 bis 300 Hügeln. Es handelt sich um Hinterlassenschaften mit frühbronzezeitlichen Körperbestattungen und auch späteren Urnen-, also Brandgräbern (1600-1200 v.Chr.).
Bemerkenswert ist die Nähe zu der historischen Saline bei Heyersum, der urgeschichtlichen Beusterburg, den vielen Hügelgräbern des Hildesheimer Waldes ebenso wie zur fruchtbaren Gronauer Lössmulde.
 
 
Hügelgräberfeld Giesen
Am Osthang der Giesener Berge erheben sich 46 Hügel mit teilweise erheblichen Ausmaßen. Insgesamt drei Hügelgruppen werden durch neuzeitliche Wege voneinander getrennt. Es handelt sich bei den Gräbern sowohl um Körper- wie auch Urnenbestattungen der Bronzezeit. Sie setzen durch den notwendigen Arbeitsaufwand bedingt eine bodenständige Bevölkerung mit einer differenzierten Sozial- und Wirtschaftsstruktur voraus.
 
 
Hügelgräberfeld bei Nettlingen
In der sogenannten Römischen Kaiserzeit, also der nachchristlichen Eisenzeit, war die Leichenverbrennung üblich. Hierzu gehören auch 79 kleine Grabhügel im Nettlinger Wald. Ihr Durchmesser schwankt zwischen 1,5 m und 6 m bei einer Höhe bis zu 35 cm. Die Gräber sind demzufolge leicht mit natürlichen Bodenerhebungen zu verwechseln. Nur eine auf Dauer ansässige Bevölkerung errichtet große beständige Grabanlagen, zumal sämtliche Teile des heutigen Kreises Hildesheim über mehr oder minder ausgeprägte vorgeschichtliche Begräbnisstätten verfügen. Namen und sagenhafte Erinnerungen an sie blieben - von Generation zu Generation weitergegeben - erhalten. Der Grabkult begann bereits in der Jungsteinzeit mit Körpergräbern und wurde in der mittleren Bronzezeit durch die Urnen-, also Brandbestattung abgelöst. Auch die hohe Aufhügelung mäßigte sich im Laufe der Zeit. Die Beigaben vermitteln Eindrücke von den Todesvorstellungen, besonders vom Weiterleben nach dem Tod. Ferner soll die Ausrichtung der Toten eine Rolle bei der religiösen Zuweisung spielen. Für den Übergang zum Christentum mögen west-östlich gelagerte Tote auf das Christentum, nord-südlich Bestattete auf die alten Religionsformen schließen lassen. Bestattungen erfolgten nach der Christianisierung in den Kirchen bzw. direkt um sie herum. Später wurden die Kirchhöfe zugunsten der oft am Ortsrand angelegten Friedhöfe abgelöst.
 
 
Graf Ricdag
Der Gründer des Klosters Lamspringe war der Graf Ricdag. Auffallend ist der erste Namensteil „Ric“, denn dieser findet sich sowohl bei seinem 804 in der fränkischen Verbannung verstorbenen Vater Richard, seinem 798 ermordeten Oheim Richholf wie seiner gegen Ende der 820er Jahre geborenen Tochter Ricburg, der ersten Lamspringer Äbtissin wieder. Ricdags Frau war Emhildis (Imhildis), die als Tochter des Lochtrop-Gaugrafen gilt. Sie soll um 805 geboren sein und um 825 Graf Ricdag geheiratet haben. Begütert war die Ricdag-Familie u. a. im Marstemgau, der um den Deister herum lag und sich im Südosten bis zur Mündung der Haller in die Leine, also bis vor Nordstemmen erstreckte. Der andere Besitzschwerpunkt befand sich im Lochtropgau um das sauerländische Meschede. Der Besitz war 798 durch eine Strafmaßnahme Karls der Große enteignet worden, als man die Familie in Geiselhaft nahm. Mehrere Jahre später kehrte die Gemahlin Graf Richards als Witwe mit dem Sohn Ricdag und einer Tochter aus der Verbannung in ihre Heimat zurück. Die Rückgabe des ehemaligen Besitzes erfolgte dann durch Kaiser Ludwig den Frommen.
Die erste Äbtissin des Klosters Meschede hieß ebenfalls Emhildis und hatte gegen 799 ihr bisheriges Kloster Milz in Thüringen wegen der Bedrohung durch Sorben aufgeben müssen. Zwischen ihr und der gleichnamigen Tochter des Lochtropgaugrafen, also der späteren Ricdag-Gemahlin, mag es einen Zusammenhang gegeben haben. Entweder war die geistliche Dame für das zu taufende Kind Namensgeberin oder sogar Patin. Es fällt ferner eine weitere Namensähnlichkeit auf. Sowohl bei den Grafen vom Lochtropgau bzw. von Werl gab es den Namen Hermann wie bei den späteren Grafen von Winzenburg - ob dies nur Zufall ist, sei dahingestellt.
 
 
Irmenseul
Unweit von Meschede liegt in Marsberg die Eresburg. Für die Mission in diesem Gebiet war von 772 bis 779 Abt Sturmi von Fulda zuständig. Die Corveyer Annalen sollen um 1145 behaupten, dass in Eresburg ehemals zwei Götter verehrt wurden, nämlich Aris (Heru) als Schutzgott auf den Stadtmauern und Ermes (vgl. Irmin, Hermes) als ein den Kaufleuten heiliger Merkur auf den Marktplätzen. Letzterer mag über die Wege- oder Irmensäulen mit einer Wegegottheit gleichgesetzt werden können. Wegegabelungen, Berghöhen mit besonderen weit sichtbaren Baken und Stein- bzw. Holzsäulen mögen ebenso wie auffällige Felsen und Bäume hierher gehören.
Erinnert sei nur an die Hödekensage mit dem Wegweiser. Die verschiedenen Götter (Irmin, Wodan, Hödeken usw.) scheinen unter dem gleichen Symbol verehrt worden zu sein, soweit sie nicht ein und dieselbe Gottheit darstellen.
 
Folgen wir nun der Irmenseuler Ortssage:
„Auf einem Berge an der Diemel, unweit des heutigen Ortes Stadtberge (= Marsberg), lag zu Karls des Großen Zeiten die alte Feste Eresburg. In ihrer Nähe stand in einem heiligen Haine die Bildsäule des Sachsengottes Irmin. Der Sage nach war es eine steinerne Säule, auf der die Gestalt eines Gewappneten stand in voller Rüstung, mit Schwert und fliegendem Banner. Auf seinem Helme sah man den kampflustigen Hahn, und auf dem Brustharnisch war ein Bär abgebildet. In der Linken hielt er eine Waage, das Sinnbild der Gerechtigkeit, und in dem Schilde fand sich dasselbe Zeichen, über einem schreitenden Löwen schwebend, dessen Hinterfuß auf Rosen trat. Als König Karl mit seinem Heer ins Sachsenland zog, eroberte er zunächst die Eresburg und zerstörte sie. Dann drangen die Franken weiter in den heiligen Wald der Sachsen und fanden allda die kunstvolle Säule, die sie zerbrachen. Karl ließ die Trümmer der Säule samt dem Götzenbilde von dannen führen und bei Korvei an der Weser verscharren. Schon Karl der Große hatte diese Gegend zur Gründung eines Klosters ausersehen; doch erst unter seinem Sohne Ludwig dem Frommen wurde der Plan ausgeführt. Dabei fand man auch die Überreste der Irmensäule. Ludwig befahl, daß sie nach dem neu gegründeten Stift Hildesheim gebracht wurden, damit sie den Leuten aus den Augen kämen. Doch als man das Bild heimlich bei der Nacht fortschaffen wollte, war es nirgends mehr zu finden, und nur die Reste der Säule waren noch vorhanden. Diese wurden nun auf einen Wagen geladen und gen Hildesheim gefahren. Am andern Morgen sahen die Sachsen, die trotz der empfangenen Taufe noch dem Glauben ihrer Väter frönten, daß die Säule Irmins abhanden gekommen war. Da rotteten sie sich zusammen und folgten der Spur des Wagens, um die Säule wieder in ihren Besitz zu bringen. Bei einem Orte im Hildesheimischen, der noch heute Irmenseul heißt, trafen sie auf die Korveiischen. Es entspann sich ein heftiger Streit um die Säule, wobei auf beiden Seiten acht Mann fielen. Doch behielten die Korveiischen zuletzt den Sieg und entkamen glücklich mit der Säule nach Hildesheim. Dort wurde sie sorgfältig verwahrt und später, durch vergoldete Erzringe zusammengehalten und mit der Figur der Gottesmutter und einem Lichterkranz verziert, im Dome aufgestellt. Hier ist sie noch heute zu sehen“.
 
Anmerkung von Paul Graff: „Die siegreichen Franken nannten die Kampfstätte Irmenseul und errichteten dort 3 Steine, die noch lange daselbst zu sehen gewesen sind. Auch hat man bis etwa 1907 noch oberhalb des Dorfes auf der Bornhöhe ein großes Loch bzw. Quelle gezeigt, wo die Irmensäule, um sie vor den feindlichen Sachsen zu schützen, vergraben worden ist“.
 


Kurzfassungen einiger Sagen
 
Aus dem ostfälischen Leinebergland, nämlich aus dem Hils, stammt ein von den Brüdern Grimm veröffentlichtes Märchen. Der Literaturhistoriker Karl Goedeke als Schüler von Jacob Grimm übermittelte es den beiden Märchensammlern. Die meisten ihrer Märchen stammen bekanntlich aus der hessischen Heimat der Grimms, so auch aus der Kasseler Familie Hassenpflug. Marie Hassenpflug war eine langjährige Freundin der Grimm-Schwester Charlotte und erzählte - bei zum Teil französischem Traditionshintergrund - u.a. von Rotkäppchen, Schneewittchen und Dornröschen. „Das Waldhaus“ aus dem Hils ist dagegen einheimisches Erzählgut der Familie Goedeke und der hiesigen Bevölkerung.
Dagegen ist unsere Heimat voller Sagen. Sie wurden hierzulande von Generation zu Generation weitergetragen. Sagen entstanden vor einem allgemein - menschlichen oder auch ganz persönlichen Hintergrund. Sie sind abhängig von Temperament, Denkweise, Familientradition und anderen Anlagen der Schöpfer. Sie vermitteln Symbole, die weit in die Vergangenheit reichen.
 
 
Hödeken
Hödeken konnte seine Gestalt verwandeln. So heißt es u.a.: „Er kam auch in der Gestalt eines Raben“. Diese Gestaltform wird mehrmals erwähnt, auch erschien er als Hase und als Wegweiser. Damit hat er Fähigkeiten, die gemeinhin mit Odin - Wodan verbunden werden.
 
Vom Hödeken, dem Geist des Sackwaldes, berichten viele Sagen. Er hing besonders an der Winzenburg und ihren rechtmäßigen Bewohnern. So verkündete er 1152 durch Heulen und Schreien die Ermordung des Grafen Hermann II. und seiner Familie. Anschließend sorgte Hödeken für die Besetzung der Burg durch den Hildesheimer Bischof.
Ein Graf, der vom Bischof mit der Winzenburg belehnt war, hatte zwei Söhne. Diese verstanden sich nicht. Nach dem Tode des Vaters sollte derjenige die Burg übernehmen, der sich am schnellsten beim Bischof meldete. Der älteste ritt sofort los. Der jüngere besaß kein Pferd, schrieb aber einen Brief. Hödeken trug den Brief auf einem Waldwege, der über die Berghöhen führte, nach Hildesheim und gewann damit dem jüngeren Bruder das Lehen. Dieser Pfad heißt noch immer Hödekens „Rennstieg“.
Seit der Zerstörung der Winzenburg im Jahre 1522 treibt sich Hödeken im Felde umher. Einmal streute er den Dünger eines Bauern auf den Acker. Der Bauer hatte aber niemand mit dieser Arbeit beauftragt und rannte auf den Geist zu. Hödeken stand augenblicklich still und der Bauer sah nichts als den alten Wegweiser am Kreuzweg. „Du Lork hast mich geneckt“ sprach er und schlug den Pfahl. Der Wegweiser schrie laut auf und gab dem Mann eine Ohrfeige. Fortan machte der Bauer einen großen Bogen um den Wegweiser.
Hödeken erschien gern in Rabengestalt und taucht als solcher auch in den Siebenbergen und im Hildesheimer Wald auf. Er erinnert so an den Gott Wodan.
 
Räuber Lippold
Der Räuber Lippold wird mit der Brunkenser Lippoldshöhle verbunden. Er erinnert mit seinen Symbolen an den Mann im Mond, also Odin-Wodan. Dagegen ist der Bürgermeister bzw. Schmied mit Tyr, Tiu, Ziu (vgl.“Zeus“) und die Bürgermeisterstochter mit der Freya gleichzusetzen. Ganz ähnliche Sageninhalte kennen im übrigen Ratzeburg mit Papedöne und Pritzwalk mit dem Räuber „Heine Klemens“.
 
In der Lippoldshöhle bei Brunkensen hauste einst der Raubritter Lippold. Er entführte die Tochter des Alfelder Bürgermeisters und brachte sie in seine Höhle. Nach einigen Jahren wurde Lippold krank und sein Weib sollte aus Alfeld eine Arznei holen. Bevor sie ging, musste sie allerdings geloben, keinem Menschen etwas von ihrem Schicksal zu erzählen. In der Stadt angekommen, setzte sie sich vor dem Rathaus an den Stein und klagte diesem ihr Leid. Die Tränen färbten den Stein blau. Der Bürgermeister hatte ihre Worte mit angehört, sodass die Alfelder am nächsten Tag zur Mittagsstunde über der Höhle erschienen, ein Seil durch den Schornstein hinunterließen und den Räuber erhängten. Damit war die Bürgermeisterstochter erlöst.
 
Aus den Siebenbergen stammen verschiedene Sagen, von denen zwei hier in Kurzfassung wiedergegeben werden sollen.
 
Unrecht, Unrecht
In Wettensen lebte einmal einer, der heimlich Unrecht getan hatte. Das quälte ihn so, dass er sich im Wald erhängte. Als der Tote gefunden wurde, flog ein kleiner schwarzer Vogel davon und rief: „Unrecht, Unrecht“.
 
Ein anderer Wettenser ging eines Tages durch den Wald und hörte den Vogel. Kalt lief es ihm den Rücken hinunter. Der Vogel setzte sich auf die Schulter des Mannes und wurde langsam immer größer, bis der Mann zusammenbrach.
 
Der Meineberg
Herzog Heinrich der Jüngere verirrte sich bei einer Jagd in den Siebenbergen. Da hörte er ein Hirtenhorn und fand schließlich einen Hirtenjungen, der den Herrn aus der Wildnis nach Alfeld brachte. Als Dank konnte der Hirte einen Wunsch äußern. Er bat für alle Alfelder um die Erlaubnis der Holzlese im Meineberg. Der Herzog sah die Bescheidenheit des Wunsches und schenkte der Stadt den Meineberg, also den heute noch der „Stadtgemeinde“ gehörenden Teil der Siebenberge.
 
 
 
Besiedlung
Die aus den Quellen entstandenen Bäche und Flüsse haben im Laufe der Zeit erhebliche Veränderungen erfahren. Zunächst meist natürlich in Kurven und Schlingen hin und her fließend, verlegten sie immer wieder ihren Lauf. Es bildete sich eine Bruchwald- oder Auenlandschaft mit einem großen Artenreichtum zu Wasser und zu Land. Bischöfliche Fischer nutzten den Fisch- und Muschelbestand der Leine bei Alfeld beispielsweise 1348 und
1444 mithilfe von vier Flusswerdern, also Inseln, aus. Daneben gab es in diesem Sumpf- und Überschwemmungsgebiet sicherlich viele Vogelarten.
Erst die spätere systematische Entwässerung durch Gräben brachte die zunehmende Nutzung durch Weidevieh. Es entstanden damit die Perkwiesen (Perk = Pferch).
Ein anderer Grund für die Änderung der Nutzung war die allmähliche Erhöhung der Uferzonen als Folge der mittelalterlichen Rodungen. Als Beispiel sei hier nur ein überraschender Fund aus den Föhrster Leinewiesen genannt. Im Sommer 1997 wurde östlich der Föhrster Kirche, ungefähr 120 m vom Ortsrand entfernt, ein Fundament gefunden. Es lag 1,40 m tief unterhalb der Erdoberfläche, bestand aus Kalkbruchsteinen und war mit Scherben des 13./14. Jahrhunderts vergesellschaftet. Da bislang nichts von einem Gebäude in der Leinemasch bekannt war, wurde eine aus dem Jahre 1760 stammende Karte herangezogen, die im Fundbereich die Flurnamen „Auf dem Werder“ und „Auf dem Staue“ aufwies. Danach muss man von einer ursprünglichen Existens einer bebauten Leineinsel während des Mittelalters ausgehen, zumal einige Grundstücksgrenzen des 18.Jahrhunderts und eine noch vorhandene leichte Bodensenke einen früheren Flusslauf im westlichen Auenbereich vermuten lassen. Damit ergibt sich, dass im Mittelalter eine Leineinsel (Werder) den Fluss teilte und die gesamte Flussaue mehr als 1 ½ m tiefer lag als es heute der Fall ist. Erst die Erosion im Leinetal führte zu einer erheblichen Aufhöhung der Wiesen- und Ackerflächen auf das heutige Niveau. Gleichzeitig ist bewiesen, dass Flurnamen alte Erinnerungen und Lagezustände nach wie vor deutlich anzeigen. Der Föhrster Ortskern, also der Thiebereich, wird demzufolge zunächst absolut hochwassersicher gelegen sein. Er entstand wahrscheinlich in der Eisenzeit oder im beginnenden Mittelalter, wird sehr früh urkundlich erwähnt (wohl im 8. Jahrhundert) und erhielt im hohen Mittelalter wie auch in der Neuzeit nach Westen hin, also bergwärts, Erweiterungen durch bebaute Straßenzüge. Gleichzeitig erfolgte eine Rodung der ursprünglichen Wälder, womit sich die Bodenabtragung (Erosion) verstärkte und die Leineaue pro Jahrhundert um rund 20cm erhöhte. Damit geriet der alte Ortskern während der letzten Jahrhunderte endgültig in die Hochwasserzone. Dies bedeutet auch die Veränderung der Bachmündungen in die Leine und den Zwang, für den stärker werdenden Verkehr Furten durch Brücken zu ersetzen.
Die Waldrodung war im Mittelalter durch die Neugründung vieler Orte bedingt worden. Die Besiedlung erreichte schließlich die Obergrenze bei den nicht immer regelmäßig fließenden Quellen. Als Beispiel sei nur Schulenberg bei Sack erwähnt. Wegen der ungünstigen Lage und der kriegerischen Ereignisse wurden manche Orte verlassen. Dies gilt u. a. für Delm. Der Ort fiel wahrscheinlich der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23) zum Opfer.
Die Bewohner zogen nach Ingeln, Össelse, Bledeln, Gödringen, Lühnde und Sarstedt. Ihre Nachkommen bilden nach wie vor einen Gemeinschaftsverband, dessen „Bürgermeister“ aus Ingeln und der Rechnungsführer aus Hotteln kommt. Die Gemeindeversammlung findet nach wie vor in der Fastnachtszeit statt.
Ein anderer Grund für die Aufgabe mancher Orte ist, dass sie in den neuen Städten aufgegangen sind. So kaufte z.B. die junge Stadt Bockenem 1349 das Dorf Hachum samt Gemarkung auf. Den Ortsnamen finden wir um den Anhang „hausen“ erweitert in Hachenhausen wieder. Ähnliches gilt für Bornum - Bornhausen, Ilde - Ildehausen, Hary - Harriehausen und Heere - Herrhausen. Dahinter steht eine mittelalterliche Besiedlung des unmittelbaren Vorharzgebietes um Seesen.
 
Alfeld
Das von der St. Nicolai-Kirche überragte Ortszentrum Alfelds liegt im Schnittpunkt mehrerer auf die Stadt zulaufender Talwege und an einer ehemaligen Leinefurt. Eine Urkunde aus der Zeit um 1020 n. Chr. nennt die Siedlung „Alevellon“, die aber bis in die frühe Eisenzeit zurückgeht.
Alfeld befindet sich in der Mitte des Gaues Aringo. 1258 hat der Ort Stadtrechte, besaß im Mittelalter eine Burg und ist regionales Kirchenzentrum.
Viele alte Bauten haben sich erhalten (Kirche, Rathaus, Lateinschule, einige Fachwerkhäuser). Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Hannover/Kassel 1853/54 begann die Industrialisierung. Die „Stadt der Spezialitäten“ wurde u. a. durch Kork-, Papier- und Eisenverarbeitung, Papierherstellung, Alpenveilchenzucht und Tierhandel ebenso bekannt wie durch den Gropiusbau Fagus-Werk. Im Museum, Tiermuseum und in der heimatkundlichen Ausstellung im Fillerturm kann man die Ortsentwicklung nachvollziehen.
 
1992 veranstaltete das Alfelder Heimatmuseum eine Ausstellung mit folgenden ortstypischen Motiven: Tilly und Wallenstein Alfeld (1625), Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523), Gemeindereform (Wappen der Ortsteile), Jahrmarkt, Wochenmarkt, Tierhandel, Motive aus Handwerk, Handel und Industrie (z.B. Schuhleisten, Papiermacher, Metallgießer, Formenbau = Modellbau), Gericht auf dem Marktplatz mit Pranger und Blauem Stein, Schrader (Gründer des botanischen Gartens der Universität Göttingen, er wurde in Alfeld geboren), Louis Spohr (seine Vorfahren waren in Alfeld Ratsbader), zahlreiche Bauwerke in Alfeld und seinen Ortsteilen, Wandermöglichkeiten mit den drei Aussichtstürmen (Himmelberg, Tafelberg, Külf), St.Nikolaus, Sagen: Lippold, Meineberg, St.Elisabeth, Hödeken.
 
 
Bad Salzdetfurth
In dem engen Durchbruchstal der Lamme treten aus den Buntsandsteinschichten Salzquellen zutage. Die älteste urkundliche Erwähnung der Salzgewinnung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Grundherren waren die von Steinberg. Im 14.Jahrhundert bildete sich die Salzpfännergilde. Ihre „Soltere“ genannten Mitglieder wählten einen Rat, an dessen Spitze der „Salzgraf“, später der Bürgermeister, stand. 1392 führte der Rat in seinem Siegel drei Salzhaken. Den Ort bezeichnete man als Wikbild, Blek bzw. als Flecken.
 
Salzdetfurth erhielt 1949 Stadtrechte. Namensgebend für die vergleichsweise junge Siedlung ist aber der heutige Ortsteil Detfurth gewesen. 1207 hieß er Dethvorde und 1214 Thietforde. Er weist damit auf eine Furt, also einen Flussübergang hin. „Det“ oder „Thiet“ bedeutet das „Volk“ bzw. die „Leute“. Bei dem Ort handelt es sich also um einen vom Volk genutzten Flussübergang. An ihm entstand zu Beginn der Christianisierung ein dem St.Gallus geweihtes Gotteshaus, das sich zu einer Archidiakonatskirche für die umliegenden Siedlungen entwickelte. Gelegentlich werden hier iro-schottische Einflüsse vermutet, die damit vor die römisch-katholische Missionierung zu setzen wären.
 
Das Tal um Detfurth wird lange zum Flenithigau gehört haben, dessen Zentrum um Lamspringe liegt. Die jetzige Kirche ist 1778/79 neu erbaut. Ihren Turm erhöhte man 1899. Bei Detfurth fand am 16. Juli 1232 eine große Landesversammlung statt. Überörtlicher Gerichts- und Versammlungsort war wiederholt der „Roden“. 1523 blieb Detfurth beim kleinen Stift Hildesheim, während Salzdetfurth für 120 Jahre an das Herzogtum Braunschweig fiel.
 
 
Barenburg
Die Barenburg liegt auf einem herausragenden Bergsporn des Osterwaldes. Felswände, Hänge, Wall und Graben gaben ihr Schutz. Vorsichtig datiert wird die Anlage in die Eisenzeit, wobei eine Nutzung im frühen Mittelalter nicht auszuschließen ist. Die weite Sicht in das Calenberger Land und die nahe Grenze von Ostfalen gegen Engern mögen ihre Schutzfunktion begründet haben.
 
 
Der Entenfang bei Barnten
Östlich von Barnten liegt der „Entenfang“ in einer von Natur vorgegebenen Teichmulde. Ende des 17. Jahrhunderts ließ Bischof Jobst Edmund von Brabeck (1688 - 1702) hier einen Entenfang anlegen. Gräben und Wall entstanden, Schilf wuchs und ein Netz ging in einen hölzernen Fangkasten über. Auf einer Insel baute man ein Fachwerkhaus, das zur Hälfte dem Landesherren zustand, während in der anderen der Entenfänger bzw. Fischmeister wohnte. Linden, Pappeln, Weiden und Erlen umgaben das Ganze. Die Fangzeit begann meist Ende August und endete bei Eintritt des ersten Frostes, lag also in der Hauptzuchtzeit der Wildenten. Halbzahme Wildenten, denen man die Flügel gestutzt hatte, um sie flugunfähig zu machen,
lockten ihre freilebenden Artgenossen an, die dann eingefangen wurden.
Der Entenfang ging in den Privatbesitz der Freiherren von Brabeck auf Söder und später an fremde Eigentümer über. Eine Entwässerung entzog im 19. Jahrhundert einen Teil des Wassers, sodass nur noch Reste der alten Anlage blieben.
 
 
Beusterburg
In der mittleren Steinzeit wurde im Hildesheimer Wald die sogenannte Beusterburg errichtet. Sie führt auch den Namen „In der Luke“. Der Nordbach und der Rottebach begrenzen sie auf zwei Seiten. Die Anlage hat eine „birnenförmige“ Gestalt und eine Fläche von rund 15 ha. Sie bestand aus einem äußeren Vorwall, dem Graben, einer Berme und einem Erdwall mit aufgesetzter Holzpfahlreihe. Man fand Keramik, Feuerstein- und Felssteingeräte. Die Beusterburg hatte über zwanzig Durchlässe und mag als eine Art Viehkral gedient haben. Ihr östlicher Teil soll in späterer Zeit neu genutzt worden sein. In der näheren und weiteren Umgebung sind nach wie vor zahlreiche Hügelgräber, vornehmlich aus der Bronzezeit, anzutreffen.
 
Bilderlahe
Am südlichen Heber liegt Bilderlahe. In seiner Nähe erhebt sich auf einem Bergkegel die 1295 von den Grafen von Wohldenberg erbaute Burg Wohldenstein. Sie wurde 1357 vom Hildesheimer Bischof übernommen und entwickelte sich danach zu einem Amtssitz. 1519 erfolgte während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23) die Zerstörung der Burg und die Übernahme durch die Braunschweiger Herzöge. Man errichtete demzufolge in Bilderlahe ein neues Amtshaus. 1643 erfolgte die Rückgabe an den Bischof und die Auflösung des Amtes kam 1859. Bilderlahe wurde zum reinen Domänenort und fiel in den 1970er Jahren an Seesen.
 
 
Bockenem
Bockenem liegt im Ambergau. Die Grafen von Wohldenberg erhoben die Siedlung im Jahr 1300 zur Stadt. Im 15.Jahrhundert errichtete man die Landwehr als Außenbefestigung, von der noch der Königsturm nahe der B 243 erhalten ist. 1847 brannte Bockenem ab und erstand mit einem neuen Ortsbild wieder. Fachwerkhausstraßen prägen die Stadt nach wie vor.
Bekannt wurde der Ort u.a. durch die Turmuhrenfabrik und Glockengießerei von Weule. An sie erinnert heute eine große Abteilung im Heimatmuseum. Beim Buchholz-Markt befinden sich ferner die Superintendentur (Tillyhaus) und die St. Pankratiuskirche.
 
 
Brüggen
937 wird Brüggen erwähnt. Auf dem Königshof stellten Otto I. und Otto III. Urkunden aus. 997 übergab Otto III. den Besitz an das Kloster Essen. Der Burgsitz fiel später an Gandersheim und erhielt 1515 ein Herrenhaus. Zwischen 1693 und 1716 erbauten die v. Steinberg in Brüggen eine neue Schlossanlage. Heute gehört das Schloss der Familie v. Cramm. 
Hangaufwärts liegen um den „Lee“ herum das gleichnamige Dorf und die Kirche „St. Maria zu den Sieben Bergen“.
Der heute an der Bundesstraße 3 gelegene Posthof wurde 1741 von Staatsminister Ernst von Steinberg als Relais der churfürstlich hannoverschen Post mit Gebäuden zum Einstellen der Beiwagen und Postpferde eingerichtet. 1742 kam ein „Post-, Gast- und Logierhaus“ hinzu. 1755 erklärte König Georg II. von Hannover und Großbritannien, das die Post nie vom Posthof verlegt werden solle. Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke Hannover - Alfeld 1853 war dies aber doch der Fall, denn das neue Verkehrsmittel übernahm
zunehmend die Aufgaben des alten. Der Posthof wurde zum Vorwerk des Gutes Brüggen. Zeitweise nutzten Zirkusunternehmen den Komplex zum Aufenthalt.
 
 
Calenberg
Zwischen Schulenberg und Rössing liegen die Überreste der Burg und Festung Calenberg, die der Landschaft und der ostfälischen Mundart, dem „Calenberger Platt“, den Namen gab. Die Umwallung hat eine Länge von über 530 m und bestand aus Türmen, Kasematten, Schanzen und vorgelagertem Graben. Ursprünglich handelte es sich um eine Wasserburg des 14./15. Jahrhunderts,
die zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu einer großen Festung erweitert wurde.
Sie war zeitweise herzogliche Residenz.
Die wahrscheinlich um 1292 gegründete Burg sicherte die welfischen Gebiete nach Süden und Südosten gegen das Hildesheimer Land ab.
 
 
Coppenbrügge
Der Flecken Coppenbrügge liegt an der Aue. Sie durchfließt hier die Senke zwischen Ith und Osterwald, die auch die alte Verbindung von der Weser zur Leine aufnimmt. Diese strategisch wichtige Stelle schützte die bereits im 11.Jahrhundert erwähnte „Cobbanburg“. 1064 gab König Heinrich IV. dem Hildesheimer Bischof Hezilo den Forstbann am Ith bei Coppenbrügge zu Lehen, womit die Stellung des Geistlichen in diesem Grenzbereich zwischen den Bistümern Hildesheim und Minden gestärkt wurde.
Coppenbrügge entwickelte sich zum Hauptort der Grafschaft Spiegelberg, deren seit 1217 fassbare Grafen aus dem Geschlecht der Grafen von Poppenburg stammten. Graf Bernhard wurde in der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts als Kolonisator in Mecklenburg und Pommern bekannt.
Die Coppenbrügger Burg ist heute noch in Resten erhalten und hatte im Laufe der Zeit verschiedene Herren. Als Rastort an der preußischen Heer- und Poststraße erlebte Coppenbrügge einen starken Durchgangsverkehr.
In den nahen Ithklippen finden sich mehrere als Steinmasken oder -köpfe anzusprechende Felsen, die wahrscheinlich religiös-kultischen Charakter hatten.
 
 
Delligsen
In den Corveyer Traditionen der Zeit zwischen 822 und 875 wird „Dysieldeshusen“ erstmals genannt. Das spätere Delligser Freiengericht legt die Annahme nahe, dass hier ein fränkischer Landesausbau durch Bauern, die auf Grund ihrer Rodetätigkeit frei waren, auf Königsland stattgefunden hat.
 
Im Ort gab es eine edelfreie Familie, die später nach Hohenbüchen übersiedelte. Delligsen ging 1355 an die Homburger und 1409 an die Welfen über. Die Kirche ist der Maria geweiht, hat jetzt einen alten Turm und ein 1890 geweihtes neues Schiff. Auffallend ist die frühe Industrialisierung Delligsens.
 
Neben einer 1691 gegründeten Papiermühle gab es die 1735 errichtete herzoglich-braunschweigische Friedrich Carlshütte. Sie nutzte die Wasserkraft der Wispe wie auch den Waldreichtum des Hils zur Verhüttung der anstehenden Eisenerze aus. 1845 veräußerte der Landesherr seine Hütte an Privatleute. Zum Eisenwerk Friedrich Carlshütte gehörten dann zeitweise die Alfelder Carlshütte (später AMA-Werk) und die Bornumer Wilhelmshütte. Neben Gussprodukten traten die Herstellung von Herden, Maschinen, Apparaten, Militärbedarf, der Waggonbau usw. In den 1980er Jahren ging diese Wirtschaftstradition ihrem Ende entgegen.
 
Aus dem Delligser Bereich stammt das Märchen „Das Waldhaus“. Der Literaturhistoriker Karl Goedeke übermittelte es den Brüdern Grimm. So ist die Herkunft der von ihnen gesammelten Märchen weitgehend bekannt. Wertvolle Mithelfer der in Hessen aufgewachsenen Brüder war z. B. die Kasseler Familie Hassenpflug, von der sie u. a. das „Schneewittchen“ erhielten. Goedeke war Schüler des einen Grimm.
 
 
Duingen
Sagenhafte Überlieferungen weisen auf die sehr frühe Töpferei in Duingen und seiner nächsten Umgebung hin. Dabei wird oft das untergegangene Dorf „Seypessen“ genannt, das noch durch Urkunden und Bodenfunde im Duinger Wald nachweisbar ist. In Duingen selbst wohnte die Familie von Duingen, die mit dem „Zinne“ genannten Grundstück in Verbindung gebracht wird und zwischen 1238 und 1564 fassbar ist. Die ersten Duinger Töpfer werden für die zweite Hälfte des 16.Jahrhunderts überliefert, obwohl die durch Bodenfunde dokumentierte Töpferei um viele Jahrhunderte älter ist. Zahlreiche Funde, Gegenstände und schriftliche Hinterlassenschaften sind im Töpfermuseum zu besichtigen. In Duingen stellte man viele verschiedene Töpfereiwaren her und verkaufte sie bis in den Nord- und Ostseeraum, einige sogar bis Nordamerika. Im 19. und 20. Jahrhundert lösten Industriewerke mit anderen Tonprodukten die alte handwerkliche Gefäßherstellung ab.
Im Duinger Wald liegt ein großes Erholungsgebiet.
 
 
Geologischer Lehrpfad Duinger Wald
Nach der in den 1970er Jahren abgeschlossenen Rekultivierung des Braunkohletagebaues im Duinger Wald entstand ein Geologischer Lehrpfad. Er ist rund 5km lang und informiert über Sandablagerungen, Braunkohle-, Steinkohle-, Schwefel-, Gips- und Eiszeitbildungen sowie Fossilien- und Kristallvorkommen, Tonverwendung und Siedlungsgeschichte.
Ferner gibt es einen Waldlehrpfad.
 
 
Elze
Elze liegt im Kreuzungsbereich von B1 und B3 und damit an weit in die Vergangenheit zurückreichenden überregionalen Straßen.
Nach der Gründungslegende des Bistums Hildesheim wollte Karl der Große hier den Bistumssitz gründen, der dann aber 815 durch Ludwig den Frommen in Hildesheim entstand. In Elze mag im Bereich der Peter- und Paul-Kirche und der angrenzenden Grundstücke ein Großhof gelegen haben, aus dem sich dann mehrere Siedlungselemente entwickelten. Der Ort war lange Zeit ein Marktflecken und erhielt verhältnismäßig spät Stadtrechte. Gleichzeitig war es Sitz eines Archidiakons und in evangelischer Zeit der eines Superintendenten.
Elze soll ein frühes Missionszentrum gewesen sein und lag nahe beim alten Königsgutkomplex des Königshofes Brüggen.
Am Ortsrand erinnert eine Hinweistafel an den mittelalterlichen Königsstuhl.
 
 
Freden
Zahlreiche Funde aus allen urgeschichtlichen Epochen stammen aus dem Fredener Bereich. Zu ihnen gehören u.a. der altsteinzeitliche Jägerrastplatz am
Aschenstein (die Funde liegen im Alfelder Museum) und eine eisenzeitliche Schale aus Klein Freden.
In Freden muss man drei Burgstellen voneinander unterscheiden. Es ist einmal die „Alte Burg“ in Groß Freden bei St. Georg und der Zehntscheune, zum anderen in Klein-Freden die Gegend um St. Laurentius „Hinter dem Burghof“ und schließlich die Burg Haus Freden (1344 bis 1402).
Das Groß Fredener Gotteshaus wird 1068 als Mutterkirche im Gau Aringo genannt.
In Freden entstanden während der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts das Kaliwerk Hohenzollern, eine Glasfabrik und andere Industriezweige. An die industrielle Vielfalt im Ort erinnert noch das Museum „Alt-Freden-Sammlung“.
 
 
Haus Freden
Direkt nördlich der Kreisgrenze Hildesheim - Northeim liegt oberhalb des Schildhorster Baches kurz vor der Leine die Ruine Haus Freden. Ihr gegenüber befindet sich das Rittergut Esbeck. Beide wurden durch eine kleine Furt miteinander verbunden. An dieser strategisch wichtigen Stelle entstand durch die von Freden in der Mitte der 1340er Jahre die Befestigung Haus Freden. Ihre Mauern umgaben ein Rechteck von 65 zu 30m. Die Burg wird außen von einem Graben und Wall umschlossen. Nachdem sich die neuen Besitzer, nämlich die von Rheden zahlreiche Übergriffe auf die Bevölkerung und Händler erlaubt hatten, wurde die Burg 1402 zerstört.
 
 
Gronau
Die bischöflich-hildesheimische Grenzfestung Empne wurde 1173 erwähnt, 1279 zerstört und erhielt 1298 mit der Stadt „In der grünen Aue“ eine Nachfolgerin. „Gronowe“ liegt auf einer Leineinsel in der Nähe der von Hildesheim nach Westfalen führenden Paderborner Straße. Zwei Hauptstraßen mit zahlreichen Querverbindungen gliedern die Stadt. Im südöstlichen Teil erhob sich die bischöfliche Burg. Die Ortsmitte bilden Marktplatz, Rathaus und die seit 1309 bezeugte St. Matthäi-Kirche.
1758 zerstörte ein Großbrand 106 Wohnhäuser und 72 Scheunen, so dass das Ortsbild weitgehend von jüngeren Fachwerkbauten geprägt ist.
Das Gronauer Museum ist im von Engelbrechtenschen Hof untergebracht und zeigt Hinterlassenschaften der Fotografenfamilie Breiner und des Sprachforschers Sauerwein.
 
 
Grünenplan
Der Hils blickt auf eine lange Glasmachertradition zurück. So wurde 1983 in der Nähe Grünenplans eine Wanderglashütte aus der Zeit um 1200 n. Chr. freigelegt. Sie hatte zwei Öfen. Der besser erhaltene lag mit seinem Feuerungskanal genau in West-Ost-Richtung und hatte eine längliche Hufeisenform. Wahrscheinlich waren die Öfen etwa mannshoch und mit einer
Kuppel aus Lehm und Weidengeflecht überwölbt. An Rohstoffen fand man Quarz als das neben dem Flussmittel Pottasche wichtigsten Ausgangsmaterial. Metalle wie Blei und Kupfer zum Färben des Glases, das man hier farblos, grün, blau und braun herstellte, runde, ovale wie auch eckige Schmelztiegel- bzw. Hafenformreste, Kugeltopfteile, ferner Stücke einer Glasmacherzange oder -schere wie solche von Glasmacherpfeifen wurden festgestellt. Bislang konnten mehr als 20 Wanderglashütten im Hils nachgewiesen werden, die bis in das 18.Jahrhundert diesen Waldbereich wegen des damals noch vorwiegenden Buchenholzes nutzten. Dies änderte sich erst mit der Gründung Grünenplans ab 1750. Die geplante Siedlung umfasste Arbeits- und Wohngebäude wie auch ein Wirtshaus mit Stallung. Der neue Ort wurde 1779 vollendet und entwickelte sich zu einem Industrie- und Erholungszentrum. Von hier aus wurden Mittel- und Nordeuropa mit Glaswaren versorgt, wobei sich der Absatz später weltweit ausdehnte. Dem örtlichen Kanarienvogelhandel organisierten um 1840 die Familien Reiche und Ruhe, die gegen 1860 bzw. 1880 nach Alfeld übersiedelten und dort auch den Handel mit vielen anderen Tierarten aufnahmen.
 
 
Hallermund
Auf dem Burgberg beim Jagdschloss Saupark stand die Burg Hallermund auf einem ungefähr 50 x 30m großen ovalen Plateau. Von der Bebauung hat sich nichts erhalten. Am Hang umgibt ein Graben mit Vorgelände die Kuppe. Die Anlage wurde um 1189 erstmals genannt und ging wohl um 1435 ihrem Ende entgegen. Im Saupark befindet sich ein aus 22 Hügeln bestehendes frühbronzezeitliches Gräberfeld.
 
 
Kloster Haus Escherde
Das Kloster wurde von dem hildesheimischen Ministerialen Luppold v. Escherde zunächst in Groß Escherde gegründet und um 1236 nach dem westlich vom Hildesheimer Wald gelegenen Dorf Bovingehusen verlegt.
Der neue Standort bekam daraufhin ebenfalls den Namen Escherde.
Ende des 17. Jahrhunderts begann der Neubau sämtlicher Klostergebäude, Propstei, Wirtschaftsbauten und mehreren Mühlen. Das Kloster wurde 1810 säkularisiert.
 
 
Hildesheim
Hildesheim entstand als kleine Siedlung in der Nähe einer Innerstefurt. Die heutige Bundesstraße 1 ist gewissermaßen die Nachfolgerin der frühen West-Ost-Handelsstraße, die diesen Flussübergang nutzte. Gleichzeitig vermittelte der Ort den Warenverkehr des südlich gelegenen Berglandes mit dem der norddeutschen Tiefebene. Neben dem Alten Markt und der „Altstadt“ entstand später die sog. „Neustadt“. Um beide herum bildete sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte die heutige Großstadt. Als geistliches Zentrum für den gesamten Vorharzbereich gründete Ludwig der Fromme um 815 den Dom.
Bedeutende Kirchenbauten kamen im Laufe der Zeit hinzu und machten die Stadt zusammen mit den vielen Bürgerbauten zum führenden Gemeinwesen im ostfälischen Leine-Innerste-Gebiet. Verkehrsanlagen wie die Eisenbahnstrecke, der Hafen, der Flugplatz, die Autobahn, Bundesstraßen und der Messeschnellweg ergänzten den industriellen Aufschwung ebenso wie der Ausbau des Bildungswesens mit Berufs-, Fach- und Hochschulen bzw. der Universität. Nach der Zerstörung der Stadt am 22.März 1945 erfolgte der Wiederaufbau. Sein Höhepunkt bildet die Rekonstruktion des Marktplatzes.
Die Stadt ist seit 1977 Mittelpunkt des heutigen Landkreises Hildesheim, der in Alfeld eine Außenstelle unterhält.
 
 
Hildesheimer Seitenkanal
Ende 1918 erteilte das Preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten den Auftrag zum Bau des Hildesheimer Zweigkanals. Man begann mit den Arbeiten 1919 und weihte die Wasserstraße 1928 ein. Sie ist fast 15km lang und endet im Hildesheimer Hafen nahe der Burg Steuerwald. Beim Bau fand man Ichthyosaurus-Skelette und eine hölzerne Zisterne aus der Eisenzeit. Der Kanal kreuzt mit dem Bach Alpe und dem Bruchgraben zwei Wasserläufe und mehrere Straßenzüge.
 
 
 
 
Marienburg
Südlich von Hildesheim erhebt sich an der Innerste die Wasserburg Marienburg. Bischof Heinrich III. ließ sie ab 1346 auf dem Gelände des wüst gefallenen Dorfes Tossum errichten. Kern der Gesamtanlage ist das sog. Hohe Haus aus der Mitte des 14.Jahrhunderts. Die später angebauten Ost- und Südflügel tragen Fachwerkaufbauten von 1663. Der Bergfried ist 37m hoch. 1906 entstand ein Erkervorbau mit Motiven des im selben Jahr abgebrannten Alfelder Kalandhauses.
 
Steuerwald
Die nördlich vom alten Hildesheim an der Innerste gelegene Wasserburg errichtete Bischof Heinrich II. (1310-18) zur Kontrolle von Stadt und Verkehrswegen. Bis zu ihrer Schleifung 1632 bestand sie aus hohen Mauern, Türmen und Bastionen wie aus zwei durch einen Wall getrennten umlaufenden Wassergräben. Später wurde Steuerwald immer wieder umgestaltet.
 
 
Königsweg
Der Königsweg verband in den Jahrhunderten um 1000 die damaligen Befestigungen um die Winzenburg-Hohe Schanze mit Königsdahlum. Er hatte Verlängerungen nach Osten in Richtung Werla, nach Norden über den Rennstieg zum Königshof Brüggen bzw. nach Hildesheim. Ferner konnte man vom Winzenburger Bereich aus über den Helleberg auch Gandersheim erreichen. Im Hartlah östlich von Graste haben sich große Hohlwegreste des Königsweges erhalten.
 
 
Lamspringe
Die Vorgängerin des Klosters Lamspringe soll um 847 auf der Hohen Schanze entstanden sein und wurde dann in die Nähe der Lammequelle verlegt.
Der Gründer, Graf Ricdag, ist in der Krypta bestattet. Das 873 erwähnte Kloster gehörte lange zu den größten geistlichen Zellen im Hildesheimer Land. Nach dem 30-jährigen Krieg sorgten aus England stammende schwarze Benediktiner für stattliche Neubauten wie Gotteshaus, Abtei und Wirtschaftshof. Das Kloster wurde 1803 aufgehoben und kam später an die Klosterkammer.
Das Lamspringer Museum zeigt neben der Klosterentwicklung auch die vielgestaltige Wirtschafts- und Sozialentwicklung Lamspringes. Der Flecken selbst hat einen sehenswerten Klosterpark und zahlreiche Fachwerkhäuser.
 
 
Lauenstein
Auf drei Seiten von bewaldeten Höhe umgeben liegt Lauenstein an einem Pass über den Ith. Während des 13.Jahrhunderts kamen die Edelherren von Homburg hierher, die um 1238 die benachbarte Burg Spiegelberg innehatten. Nach deren Zerstörung erbauten sie die Burg Lauenstein und unterstellten diese 1247 dem Welfenherzog Otto dem Kind. Lauenstein war zeitweise Amtsitz für 40 Ortschaften. Die Burg wurde im 18. Jahrhundert zur Ruine. Ihr zu Füßen liegt der gleichnamige Flecken. Das alte Amtshaus, die sog. Knabenburg war Sitz des Berliner Musikprofessors Dr. h.c. Ernst Rudorff (1840-1916), des Förderers des Heimatgedankens und Mitbegründers des „Deutschen Bundes Heimatschutz“ von 1904.
 
 
Der Marienberg bei Nordstemmen
Der Marienberg bei Nordstemmen wird seit urgeschichtlichen Zeiten genutzt. Neben Hügelgräbern gibt es zahlreiche Wall- und Grabenreste, in die man das im 19. Jahrhundert errichtete Schloss Marienburg hineinsetzte. Möglicherweise geht die Bergnutzung in die Bronze- und Eisenzeit zurück. Nicht auszuschließen ist auch eine sächsische Fliehburg des beginnenden Mittelalters. Aus einer Kuppe beim früheren Gasthaus stammen Reste eines runden Wartturmes, der vermutungsweise im späten Mittelalter hier stand.
Die Anhöhe heißt im Volksmund „Sachsenschanzen“ bzw. „Schulenburger Berg“. König Georg V. von Hannover benannte in einer Schenkungsurkunde vom 14. April 1857, dem Geburtstag seiner Frau, das künftig zu errichtende Schloss nach seiner Gemahlin. Der Bau begann 1858 und wurde 1867 unvollendet eingestellt. 1866 war das Königreich Hannover an Preußen gefallen und die Königsfamilie musste in das Exil gehen. 1945 gab man der Familie ihr Eigentum zurück.
 
 
Marienrode
Das Kloster Marienrode ging aus der Siedlung Backenrode bzw. Betzingerode hervor. Dabei deutet die Ortsnamenendung an, dass Wald gerodet wurde. Am 22.Mai 1123 weihte Bischof Barthold I. hier ein Augustinerkloster ein, das 1259 von Zisterziensern übernommen wurde. Damit änderte sich der Name in „Marienrode“. 1355 übernahmen die Zisterzienser die Archidakonate Alfeld und Bockenem und 1462 konnte die gotische Klosterkirche geweiht werden. 1717 ließ Abt Niwardus viele Klostergebäude neu errichten. Die Holz- und Zimmerarbeiten führte dabei der Lamspringer Klosterbaumeister Konrad Stöhr aus, während die Steinmetzarbeiten auf Nikolaus Mack zurückgehen.
Marienrode war im 19. und 20. Jahrhundert Domäne und erhielt 1988 wieder eine geistliche Klostergemeinschaft.
 
 
Osterwald
Im Sandstein des Osterwaldes liegen in sechs abbauwürdigen Flözen Kohlen. Herzog Julius von Braunschweig ließ deshalb in den 80er Jahren des 16.Jahrhunderts ein Bergwerk anlegen, um zunächst die Salzpfannen der Salzhemmendorfer Saline zu befeuern. Um 1845 hatten die Verantwortlichen Chausseen und Stollen aus Sandsteinquadern angelegt, „aus denen in Art der Eisenbahnen durch Wagen, die auf Schienen laufen, die Kohlen gefördert werden“. Um 1888 betrieb man vier fiskalische und sechs Privatzechen. Ferner legte Oberamtmann C. W. Wedemeyer im Jahre 1701 eine Glashütte bei Osterwald an. Um 1845 gab es neben einem Wohnhaus die eigentliche Glashütte mit zwei Öfen für Hohlglas. So setzte das Unternehmen gegen
800 000 Flaschen vornehmlich nach Hamburg, Bremen und Südamerika ab.
 
 
Poppenburg
An der alten West-Oststraße vom Rheinland über Hildesheim in Richtung Magdeburg liegt auf einer Geländeterrasse die Poppenburg. Sie schützte den wichtigen Leineübergang östlich von Elze. Kaiser Heinrich III. schenkte 1049 das Gut bei der Poppenburg an den Hildesheimer Bischof und das dortige Domkapitel. Im 12.Jahrhundert nannte sich eine Grafenfamilie nach der Poppenburg und ab 1217 nach ihrem neuen Sitz Spiegelberg bei Lauenstein. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-23) fiel die Poppenburg an die Welfen und 1629 wieder an Hildesheim zurück.
Der wuchtige wohnturmähnliche Palas entstand unter Bischof Gerhard
(1365-1398) und erhielt 1785 eine Kapelle. Die anschließenden Bauten gehen teilweise in das Mittelalter zurück und wurden im Laufe der Zeit baulich verändert bzw. ergänzt. Die Wirtschaftsgebäude zeigen Formen der Barockzeit.
 
 
Rautenberg
Der Ort Rautenberg hat seinen Namen nach der entsprechenden Hügelbezeichnung. Eben „auf dem Rautenberg“ soll sich eine alte
Gerichtsstätte befunden haben. Nach dem Ort nannte sich ein Rittergeschlecht, dessen erster urkundlich fassbarer Vertreter 1149 Helmbrecht hieß. Das letzte Familienmitglied Berthold IX. starb 1647 als Drost zum Lauenstein, Statthalter in Braunschweig und im Harz Oberberghauptmann. Er wurde in Rethmar bestattet, weil der ehemalige Sitz in Rautenberg um 1350 abgebrannt und die Familie demzufolge fortgezogen war. In Rautenberg besaßen ferner mehrere Klöster und Hildesheimer Bürger Eigentum, so auch das Kloster Marienrode. Um 1758 bestand der Ort aus 36 Bauernstellen und hatte eine Feldmark von etwa 40 Hufen. 1814 waren es 42 Hausnummern. 1859 gab es Voll- und Halbspänner, Kötner, Anbauern, Häuslinge und andere Stelleninhaber. Einige Reste der alten Befestigung haben sich erhalten.
 
 
Rennstieg
Der Rennstieg ist der bekannteste Höhenweg im Alfelder Leinebergland. Er beginnt im Süden bei der Hohen Schanze nahe der Winzenburg und zieht über die Höhen des Sackwaldes in Richtung Adenstedter Berg. Von dort verläuft er weiter über den auch Wernershöhe genannten Holzer Berg und die Vorberge, bis er oberhalb von Eberholzen in einem alten Hohlweg endet. Von allen Seiten nimmt er aus den Tälern kommende Wegstrecken auf, so u.a. von Brüggen, Alfeld, Sibbesse, Wrisbergholzen und Irmenseul. Viele der Täler haben die Grundbezeichnung Schlei, wie sie auch im Bereich von Schleswig -Holstein vorkommt. Den Rennstieg verbindet die Bevölkerung mit Hödeken, dem Schutzgeist der Winzenburg und des gesamten Berggebietes. Nach Süden erreicht man über den Helleberg Gandersheim und über den Hildesheimer Wald die Domstadt.
 
 
Rheden
Die alte Haufensiedlung Rheden lag 1013 bzw. 1022 im Gau Aringo, tendierte also zum Alfelder Bereich. Sie hieß 1086 „Redun“ und weist mit der Cosmas und Damian geweihten einschiffigen romanischen Hausteinkirche eine Besonderheit auf. So zeigt der Turm viele Symbole, wie eine Hand, Köpfe, eine Schlange, einen Christuskopf mit Kreuznymbus, ein löwenähnliches Tier und einen Vogel.
An Kirche, Schloss und Gutsbereich schließt sich das Dorf an.
 
 
 
 
Ruthe
Um das Jahr 1000 war Ruthe als nordwestlicher Grenzort des Gaues Astfala befestigt und gehörte dem Bischof von Hildesheim. Bischof Siegfried II. (1279-1310) errichtete die Wasserburg Ruthe gegen die um 1292 gebaute Feste Calenberg. Nach dem Verfall der Burg ließ Bischof Clemens August (1724-61) auf der selben Stelle ein Schloss bauen, das 1891 abbrannte. Durch die im frühen 19.Jahrhundert durchgeführte Säkularisierung wurde Ruthe zur staatlichen Domäne und diente später als Lehr- und Forschungsgut der
Tierärztlichen Hochschule. Prägend für die gesamte Ortsgeschichte ist die Lage am Zusammenfluss von Leine und Innerste. Ruthe war lange Zeit Zentrum der gleichnamigen Vogtei.
 
 
Salzhemmendorf
Der Flecken Salzhemmendorf wird 1022 als „Svalenhusen“ und später auch „Solt tho Hemendorpe“ genannt. Der Name Svalenhusen bezog sich wahrscheinlich auf das Schwelen bzw. Kochen des Salzwassers in den zwölf Siedehäusern oder Salzkothen. Von ihnen gehörten um 1845 neun der Gewerkschaft und drei der Landesherrschaft. Die beiden Salzbrunnen sollen vier Klafter tief und mit Eichen und anderem festen guten Holz „reinlich und beständig“ ausgebaut gewesen sein. Die alte Weise, die Sole mit einem Ziehbrunnen zu fördern, wurde 1836 durch Bohrungen abgelöst. Diese gesteigerte Förderung ließ die Salzbrunnen versiegen. Eine anschließende Bohrung brachte nur zeitweilige Erfolge, weswegen man 1873 die Salzgewinnung aufgab und die Sole fortan nur noch zu Salzbädern beim Kurbetrieb nutzte.
 
 
Sarstedt
Sarstedt ist die nördlichste Stadt im heutigen Landkreis Hildesheim. Der Ort gehörte zu den sieben Landstädten des alten Fürstbistums Hildesheim und hatte Sitz und Stimme auf dem Landtag des Hochstiftes. Der Bischof Siegfried II. verlieh um 1296 die Stadtrechte. Zwischen 1885 und 1946 war Sarstedt die einzige Stadt im damaligen Kreis Hildesheim. 1974 erfolgte die Zusammenlegung mit den Umlandgemeinden zur neuen Einheitsgemeinde Stadt Sarstedt. Durch Sarstedt fließt die Innerste, die bei Ruthe in die Leine mündet. Beim Sarstedt-Sehnder Höhenzug endet das Leinebergland und geht endgültig in die Norddeutsche Tiefebene über. Das Umland hieß lange Zeit Valothungon, also eine alte Gaubezeichnung.
Der Sarstedter Siedlungskern wird zunächst im alten Dorf gelegen haben, während sich später die beginnende Stadt zwischen Kirche und Retburg entwickelte. Von besonderer Bedeutung wurde das Archidiakonat, das vom Gebiet um Laatzen bis Heyersum reichte. Die Hauptkirche war St.Nicolai in Sarstedt. Die andere wichtige Einrichtung des Landesherrn war die Bischofsburg, die das Hildesheimer Land gegen die Welfen im Westen, den Leineübergang bei Ruthe und die Innerstefurt bei Sarstedt zu schützen hatte. Die Befestigung wird mit dem späteren von Weichsschen Hof in Verbindung gebracht. Neben dem Handwerk entwickelte sich auch das Mühlenwesen. Nach dem Anschluss an die Eisenbahn ging die alte Bischofsmühle 1854 aus dem Besitz der Hannoverschen Landesregierung in den Privatbesitz des Kaufmanns Ernst Malzfeldt über. Durch den Schlossermeister August Voss entstand eine Ofen- und Herdfabrik. Hinzu traten Zeigeleien und in der Nähe zahlreiche Kaliwerke. Gleichzeitig weiteten sich die Wohnbereiche erheblich aus. Die Entwicklung des Ortes wird im Museum dargestellt.
 
 
Söder
Die heutige Schlosssiedlung Söder entstand aus einem Dorf. 1690 km Söder an die aus Westfalen stammende Familie von Brabeck. Diese stellte mit Jobst Edmund ab 1688 sogar einen Hildesheimer Bischof. Um 1742 baute man das Schloss. Ende des 18.Jahrhunderts war das Anwesen u.a. durch eine wertvolle Gemäldegalerie bekannt, die 1859 in viele Hände verkauft wurde. Söder ging später in den Besitz verschiedener Familien über, gehört aber nach wie vor zu den herausragenden Gebäudekomplexen des Hildesheimer Landes.
Der Hildesheimer Superintendent Cludius beschrieb 1805 ein Abendfest auf Schloss Söder folgendermaßen:
„... Die schwirrende Lerch ist schon aus der Höhe gefallen / Schweigend ins grüne Getreide; die Nacht schon schreitet am Himmel / Hin in bestirntem Gewande, und Dunkel verhüllet die Fluren. / Wie? Versetzte mich plötzlich ein Gott in der Seligen Haine? / Strahlt hier Plutos Burg? Welch zaubrisches Blinken von tausend / Lichtern im prächtigsten Saale, das reg an kristallener Kronen / Eckigen Demant lebt in Blitzen der brennendsten Farben! / Sieh, unzählige Lämpchen belichtern die Bäume des großen / Parks umher, die Gebüsche, die fernhin reichenden Gänge, / Und es wimmelt vergnügt am Walde das tanzende Landvolk, / Wo Hörner ertönen, daß hell die entgegenen Berge / Hallen die lustigen Tänze zurück und die mutigen Märsche. / Unter den gleitendsten Tönen der Flöten und sanften Oboen / Fließen aus weiblichen Kehlen itzt schmelzende Wonnegesänge. / Sieh, die Singenden schwimmen auf niedlicher Gondel, mit bunten / Bändern bewimpfelt, dahin auf dem glänzenden Spiegel des Wassers, / Schön wie die Huldgöttinnen, und reizend in weißen Gewänden, / Welche der Zephyr blähet bekränzt mit Rosen und Myrten. ...“
 
 
Steinbrück
Das Hochstift Hildesheim hatte wiederholt unter Einfällen der Braunschweiger Herzöge zu leiden. So konnten welfische Truppen 1367 bei Dinklar besiegt werden. Infolgedessen ließ Bischof Gerhard an dem Straßenübergang über die Fuhse eine Befestigung mit dem charakteristischen Namen „Steinbrück“ bauen. Sie erhielt später einen Bergfried und den heute zur Kapelle umgestalteten Kehrwiederturm.
 
 
 
Störy
Die weltweit größte Kleinwagensammlung befindet sich im Auto-Museum Störy. Über 130 Kleinmobile, mehr als 130 Motorräder, Roller und Mopeds, vornehmlich aus den 1950er Jahren sind ebenso ausgestellt wie gut 1000 Modellautos und viele Beispiele der Motorisierung in der ehemaligen DDR.
 
 
Thüste
Östlich von Thüste liegt ein Steinbruchgebiet, an dem der Name „die Burg“ haftet. Ihre Reste fielen dem bereits in den 1840er Jahren vorhandenen Steinabbau zum Opfer. Die Anlage soll die Form eines Ringwalles von 75 bis 80m Durchmesser und einen vorgelagerten Graben gehabt haben. Bei Thüste gibt es einen geologischen Lehrpfad und eine Museumseisenbahnstrecke. Mit Steinen vom Thüster Berg erbaute man beispielsweise 1903-04 die Kapelle in Wettensen.
 
 
Upstedt
Erster feststellbarer Grundherr in Upstedt war um 850 n.Chr. das Kloster Corvey. Rund 100 Jahre später wohnte hier der Vogt Macco als frühester fassbarer Amtsträger im Bistum Hildesheim. Auf dem Thie steht die „Dicke Linde“ als Symbol alter Gerichtsbarkeit.
 
 
Werder
Auf einer Insel der Nette, also einem Werder, lag im Mittelalter die gleichnamige Wasserburg. Sie gehörte 1150 n. Ch. dem Grafengeschlecht „von
Werdere“ bzw. „de Insula“. Die Familie war mit den Grafen von Wohldenberg verwandt, weswegen der Besitz im 13.Jahrhundert an die Wohldenberger und später an den Bischof Gerhard (1365-98) als deren Erben überging. Die Burg verfiel im Laufe der Zeit, während sich das direkt benachbarte Dorf weiter entwickelte. Oberhalb der Siedlung lagen Hügelgräber.
 
 
Hohe Schanze und Winzenburg
Der südliche Sackwald wird von zahlreichen Befestigungen geprägt. Bei Winzenburg liegen auch die Apenteichquellen, aus denen - wohl als Reste eines Opferkultes - Funde aus der Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit stammen. Die von dem Quellwasser gespeisten Teiche entstanden um 1221.
In der Eisenzeit legte man auf der nahen Hohen Schanze eine erste Befestigung an. Wahrscheinlich im 9.Jahrhundert entstand hier eine Anlage mit Wällen, Gräben und Häusern.
Die Hohe Schanze gilt als die Vorgängerin des Klosters Lamspringe und der Winzenburg. Ein Lehrpfad erläutert die Befunde.
Ferner sind noch die Tiebenburg, die Wälle am Gartenkamp und Dörhai, die Ohlenburg und die Läsekenburg zu nennen.
Die Winzenburg ist vom 12. bis zum 16. Jahrhundert Zentrum eines großen Verwaltungsbereiches gewesen. Man sieht heute noch den Wohnhügel, einen großen Hof und einen fünfeckigen Turmrest. Die Burg wurde 1522 zerstört.
Der im Dorf Hasekenhusen (heute Winzenburg) gelegene ehemalige Amtshof übernahm die hoheitlichen Aufgaben für Jahrhunderte.
Aus dem Amt Winzenburg entstand im 19.Jahrhundert der Kreis Alfeld.
 
 
Wispenstein
Das ehemals freiherrlich v. Crammsche Gut wurde zum Schutz des Hochstiftes Hildesheim um 1451 von denen v. Steinberg gegründet. Das Erdgeschoss des Herrenhauses besteht aus Bruchsteinmauern der Spätgotik, während das aufgesetzte Eichenfachwerkgeschoss aus dem Ende des 16.Jahrhunderts stammt. An der Süd-Westecke ist noch der Rest eines Befestigungsturmes erhalten. Auf dem weiten Wirtschaftshof steht noch das ehemalige Brauhaus und an der Hauptdurchgangsstraße die Mühle von 1759.
Wispenstein war der Mittelpunkt des gleichnamigen Gerichtes, zu dem Imsen, Föhrste, Gerzen und Warzen gehörten.
 
 
Wrisbergholzen
An der alten Verbindung von Alfeld nach Hildesheim liegt das Dorf Wrisbergholzen. Neben der St. Martin geweihten Kirche errichtete Rudolf J. v. Wrisberg ab 1740 ein Barockschloss mit großem Wirtschaftshof und historisch wertvollem Park. Bekannt wurde Wrisbergholzen auch durch eine 1735 gegründete und 1834 aufgegebene Fayencenfabrik.
 
 
Wülfinghausen
1236 wurde nordöstlich des Osterwaldes das Augustinerinnenkloster Wülfinghausen gegründet, das im späten 16.Jahrhundert evangelisch wurde. Die heutige Kirche entstand teilweise um 1400, während viele Bauten um 1735-40 entstanden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Powered by Website Baker